XIV. Die Bildnisse Spinozas

Ernst Altkirch
1911 Archiv für Geschichte der Philosophie  
Es sind heute fünf verschiedenartige Bildnisse Spinozas vorhanden, von denen die Echtheit bezeugt werden kann: Das Jugendbildnis von 1660 (in Brüsseler Privatbesitz), das Wolfenbüttler Bildnis (in der herzoglichen Bibliothek zu AVolfenbüttel), der Kupferstich der Opera posthuma, das Bildnis von Hendrik van der Spyck (im Miniaturenkabinett des königl. Hausarchivs im Haag) und das Bildnis von Wallerant Vaillant (in Philadelphiaer Privatbesitz). Nach ihnen ist eine nicht unbeträchtliche Anzahl von
more » ... Nachbildungen geschaffen worden, die hauptsächlich in Büchern und Zeitschriften erschienen sind.. Von manchen dieser Nachbildungen läßt sich Gutes sagen, viele sind jedoch Mach werke von Stümpern, und einige wirken geradezu wie Karikaturen. Außer den echten Porträts gibt es einige zweifelhafte und falsche Bildnisse, unter denen das dem Rembrandtschüler Franz Wulfhagen zugeschriebene immerhin Beachtung verdient. Als das bedeutendste aller Spinozaporträts möchte ich das Wolfenbüttler Bildnis bezeichnen. Die Persönlichkeit des Philosophen in ihrer zurückhaltenden Vornehmheit ist auf ihm markant und eindringlich gegeben. Die äußeren Umrisse des Kopfes, die prachtvolle Stirn, die braunen, weitgeöffneten Augen mit gewölbten Brauen, die starke und edel gebogene Nase und der schöne Mund mit der energisch vorgeschobenen Unterlippe sind, im Vergleich zu den übrigen Bildnissen, gut aufgefaßt und dargestellt, und die geistige Physiognomie Spinozas kommt wahr und glücklich zur l ) Vgl. auch die Abhandlung von A. Levy in diesem "Archiv"
doi:10.1515/agph.1911.24.3.370 fatcat:a6cmqxvmvjfmfkfhnyzrc3dblq