Talgstauung nach Dermatitis

Leo Ritter Zumbusch
1917 Archives of Dermatological Research  
Im folgenden mSchte ich die Aufmerksamkeit auf eigentamliche Veriinderungen an den Talgdrasen und in deren Funktion lenken, die man sicher bei grO/3erer Achtsamkeit nicht gar so selten beobachten kOnnte; es handelt sich dabei um Vorgange, die ein gewisses allgemein pathologisches InCeresse bieten, da sie mit Wachstums-und Regenerationsvorgii,ngen in der Haut in Beziehung stehen dtirften. Es gibt StSrungen an den Talgdrfisen, respektive Follikeln, die wfihrend, oder besser gesagt, nach akuten
more » ... agt, nach akuten Hautentzfindungen auftreten kOnnen, nach Ilautentzfindungen, an denen die Talgdrfisen und Follikel selbst wenig oder nicht beteilig[ sind, die sich ganz oberflitchlich abspielen. Dabei soll nicht so sehr auf die Sekretionsanomalien hingewiesen, auf die ~lbermiil~ige Talgbildaug, Seborrhoe, die z. B. bei ablaufenden Ekzemen nicht selten ist und oft lange nachher noch fortbesteht; dies ist wohl ein allgemein bekanntes Ereignis. Vielmebr seheinen Vorg~tnge beaehtenswert, welche als Sekretstauung zu erkl5ren sind, allerdings ist offenbar aueh die Sekretion dabei vermehrt. Eine bestimmte u an den Follikeln nach akuten, exsudativen, speziell nach blasenbildenden Dermarosen ist lange bekannt, n'/imlich das Erscheinen von Milien im Bereich abgelaufener Blasen von Herpes zoster und von Pemphigus vulgaris. ~) Dieses hgufige Vorkolnmnis wurde schon vor langer Zeit wiederholt beobachtet und beschrieben, t) Wenn wir vor~ Pemphigus vulgaris als akutem Prozel~ reden, ist damit die einzelne Effloreszenz (Blase) gemeint, die allerdings akut kommt und abheilt. 48 v. Zumbus ch. SO finden wir die Angabe in Hebras Handbuch, dal~ B a r e nsprung aus Narben und nach Blasen Milieu entstehen sah und Kaposi sagt im Lehrbach auch, dab Hebra under nach Pemphigus und Erysipelas (bullosum?) an den Stellen, wo Blasen gewesen, massenhafte Milien auftreten sahen. Sphtere Beobachter haben ganz analoge u bei Kranken mit Epidermolysis bullosa hereditaria, Pemphigus acutus, ja auch. mit Lichen ruber planus (mit Blasen?), Lupus erythematosus and selbst mit Syphilis festgestellt. Diese Tatsache kann jedoch nicht mit unserer Beobachtung in eine Reihe gebracht werden. Unsere Kenntnisse fiber das Wesen des Miliums sind keine vollst~indigen. Wir mfissen wohl zu der Annahme yon U nna hinneigen, der die Entstehung der Milien nicht in die Talgdrfisen verlegt, sondern in die Follikel. Im Gegensatz zu u i r c h o w und K a p o s i, welche es als Retentionsprodukt einer (vielleicht abgesclmiirten)Pattie einer Talgdrfise mit abnormer Yerwandlung der Zellen in Hornmasse statt in Fett erklaren wollen, ver]egt Unna diB Ursprungsstatte in den Haarfollikel und li~fit es durch u hornung von dessen Epithel gebildet werden. Wie dem auch sei, auf jeden Fall steht lest, dab die Substanz des Miliums nicht aus Talg besteht, sondern aus zelligen Elementen; ob diese nun aus solchen Zellen zusammengesetzt sind, die sonst normaler Weise Talg bilden wiirden, also aus Talgdrfisenzellen, oder aber aus solchen, die gar nichts mit Talgbereitung zu schaffen haben, auf jeden Fall handelt es sich um etwas anderes als bei dem yon uns beobachteten Manne, wie wir aus der Beschreibung sehen werden: Die Geschichte des Falles ist folgende: J. F., 54 Jahre, TaglShner, zugegangen am 3. Febr. 1914. A n a m n e s e : Die Familienanamnese ist belanglos, der Kranke kann sich nicht an irgendwelche bestimmten Kinderkrankheiten erinnern, doch war er imraer schw~chlich und oft kr~nklich. Seit Jahrenhustet er. Nachdem er schon frfiher 5fter an heftigen Schmerzen in den F/iI~en gelitten hatte, bekam er im Sp~therbst 1913, angeblich nach Erk~ltung, einen schweren Anfall yon Gich~. Er wurde ins grankenhaus in Miinchen aufgenommen und man stellte bei ibm (laut Begleitbriefi uratische Gicht lest Dort lag er ira Bert und wurde mit verschiedenen ~uBeren and inneren Mitt eln behandelt, er wells die Medikumente nicht zu nennen. Friiher
doi:10.1007/bf01827956 fatcat:glteeexu4vbpfpdnywchbvr3k4