Weitere Untersuchungen über die Menschenpathogenität des Bacillus pyocyaneus

Eug Fraenkel
1917 Medical Microbiology and Immmunology  
In zwei im Jahre 19062 und im Jahre 1912' verSffentlichten Arbeiten hatte ich reich bemiiht, gestiitzt auf ein Material yon im ganzen 13 F~llen, B~weise fiir die, trotz damals schonvorliegender gewichtiger Befunde, noeh viel-umstrittene pathogene Bedeutung des b.p. fiir den ]~[enschen beizubringen und die Aufmerksan~keit auf die Lokalisation des genannten Bacillus in den verschiedenen Organen des menschlichen KSrpers und die Art seiner Wirkung auf diese zu lenken. Wenn ich jetzt erneut auf den
more » ... tzt erneut auf den Gegenstand zuriickkomme, so geschieht es, well ich inzwischen weiteres einschlagiges Material gesammelt babe, das in vieler Beziehung racine in den beiden friiheren Arbeiten niedergelegten Anschauungen fiber den krankmachenden EfiffluB des b.p. best~tigt und in maneher Hinsicht zur Feststellung neuer Tatsaehen gefiihrt hat, und well yon anderer Seite seit dem Bekanntwerden meiner Untersuchungsergebnisse merkH, iirdigerweise nut ganz vereinzelte Beitr~ige, die sieh auf P.-Infektionen des Menschen beziehen, verSffentlieht worden sind. Es muB das fast wunderbar erscheinen, da ieh se]bs~, seit dem Erscheinen meincr in dieser Zeitsehrift ver5ffentlichten Arbeit, d.h. seit dem Jahre 1912 bis Anfang ~'I~irz 1917, also in etwas mehr als fiinf Jahren, wcitcre '13 Falle yon durch den b.p. verursachten, in einem Tell der Falle klinisch richtig diagnostizierten Erkrankungen beobachtet habe, so dal] ich jetzt im ganzen iiber 26 F~lle dieser Art verfiige. Dieses groSe Material gestattet, ein wohlumrissenes Bild vonder sch~digenden Wirkung dieses, lange ffir harmlos gehaltenen, Spaltpilzes auf den mensehlichen KSrper zu entwerfen. 1 b.p. =Bac. pyocyaneus. P. = Pyocyane~ls. 2 Virchows Archiv. Bd. CLXXXIII. S. 405. 3 D~ese Ze~tschritt. Bd. LXXIL S. 486. Zeitschr. f. Hygiene. LXXXI~ r 24 Euo. :FRAENKEL: Ehe ich das tue, will ieh indes auf eine Wtirdigung der wenigen, inzwisehen fiber den Gegenstand erschienenen Arbeiten, soweit sie zu meiner Kenntnis gelangt sind, eingehen. Es kommen eigentlich nur zwei solche in Betraeht. Ich erwi~hne bier zunachst einen Beitrag v0n Alfred Loe s er 1 ,!,Uber Pyocyaneusinfektion und Pyocyaneusagglutinine"!.: Er fand unter 3000 auf Ruhr, Typhus und Cholera untersuchten Stuhlproben 13mal P. Fiinf yon diesen 13 Kranken zeigten besonders schwere ~atypische typhiise Erkrankungen, die anderen waren leiehtere Ruhr-und Typhusfalle. In fiinf yon diesen Fallen wurden die P.-Stamme yon den Seren der betreffenden Kranken in einer: Verdtinnung von 1:200 agglutiniert. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, da]3 "der b.p. unter Umst'&nden im menschlichen KSrper nach Art der pathogenen Bakterien eine spezifisehe, gegen ihn gerichtete Agglutininbildung hervorrufen kann". Diese Tatsaehe hatte Klieneberger sehon vor7 Jahren festgestellt; in einer Mitteilung "Neue Beitrage zttr (Proteus-und) Pyoeyaneusimmunitat "~ sprieht er direkt aus~ dab bei der mensehliehen P.-Infektion im Gegensatz zur P:-Saprophytie hohe Agglutininebildung eintritt. Er glaubt, da~ "durch Prtifung auf event, vorhandene Agglutinine ftir P. umgekehrt de~ RiicksehluB auf Infektion bzw. Saprophytic gemacht werden kSnne". Es erscheint mir dringend erwiinscht, eine 1Naehprtifung dieser Angabe vorzunehmen und speziell bei den ja immer noeh nieht ganz selten vorkommenden l~allen von blauem Eiter in WundhShlen auf die Anwesen: heit oder das Fehlen yon Agglutininen zu fahnden. Ich persSnlich stehe auf dem Standpunkt, dab es sich dabei keineswegs um eine reine Saprophytie handelt, sondern dab in solehen Fallen P.-Keime oder deren Stoffweehselprodukte in die Blutbahn eindri'ngen: Es bleibt noch tibrig, eine yon Justi 3 .publizierte Arbeit zu erwahnen, in der der Verfasser, ohne Beibringung eigenen neuen Untersuehungsmaterials, einen iibrigens nieht vollsti~ndigen Uberblle], tiber das Vorkommen und die Pathogenitat des b.p. liefert, ~'ie er bis zum Jahre 1908 yon dem Amerikaner Waite unter eingehender Bertieksiehtigung der bis dahin tiber den Gegenstand bekanntgewordencn Literatur gegeben worden war. Ich werde Veranlassung haben, noeh mehrfach auf die Ausfiihrungen yon Justi zurtickzukommen und wende reich zunachst zur 5[itteilung der von mir seit dem Jahre 1912 beobaehteten Falle yon P.-Erkrankung, die ieh in chronologischer Reihenfolge anftihre. 1 Centralblatt /i~r innere Medizin. 1916. Bd. XXXVII. Nr. 10. 2 Zeitschri/t /i~r Immunit~ts/orschung. 1909. Bd. II. S. 685. Archly ]iir Schi//s-und Tropenkrankheiten. 1915. Bd. XIX. S. 458. ~JBER DIE ~ENSOHENPA~HOGENITAT DES BACILLUS PYOCYtkNEUS. 371 Fall i. Betriift einen 9monatigen, an Bronchiektasien und multiplen Bronchopneumonien verstorbenen Knabenl bei dessen 8ektion (Nr. 1543/1912)ein Exanthem festgestellt worden war, das schon makroskopiseh den Verdaeht einer P,-Infektion nahelegte. Weitere Angaben fiber den klinisehen Verlauf vermag ieh nicht zn machen, da das Krankenblatt mit dem zu-gehSrigen Sektionsprotokoll leider verloren gegangen ist. Die bakteriologische Untersuchung des Blutes ergab eine Reinkultur yon P.B. An dem zur mikroskopischen Untersuehung benutzten Hautstfickchert C~arbung mit saurem Orzein und polyehromem l~ethylenblau) wurde ein in den obersten Schichten der Subcutis gelegener kleiner Nekroseherd gefunden. Unter den zahlreichen bier auf dem Schnitt quergetroffenen Gef~i~en zeiehnet sich ein einziges durch eine intensiv blaue l~bung seiner Wand aus. Diese blaugefgrbte Zone reicht his an die Intima heran und Verdeckt die Struktur der ~tufieren Gefal~wandschiehten So vollstandig, da~; ein Urteil fiber den Charakter des Gef~ies nieht m~glich ist. Bei Betrachtung mit Immersion tiist sieh diese breite Zone in eine ungewShnlieh diehte Masse feinster Bazillen auf, die sich, man kann fast sagen, haarscharf, auf den erwiihnten blauen Ring besehrlinken. Die Wandungen der Nachbargef~Be sind vollkommen frei. In unmittelbarer Umgebung des yon den Bakterien okkupierten Gef~Bes gegen die tieferen Subcutisschichten hin finden sich ziemlieh zahlreiche einkernige Zellen. Von der nekrotischen Subeutis aus gehen einzelne pfeilerartige Ausli~ufer gleieh, falls nekrotischen Bindegewebes in die P. retie, cut. hin, die im iibrigen, ebenso wie der PapillarMirper und die 0berhaut, vollkommen intakt ist. Obwohl hier eine bakteriologisehe Untersuchung der Krankheitsherde in der Haut nicht vorgenommen women ist, kann doeh mit atler Bestimmtheir erkliirt werden, dal~ die histologiseh naehgewiesenen Bazillen P.B sind; dafiir spriebt die fiir diese Bakterien typische Lokalisation in der Gef~wand. Die weitere Frage, ob die Bakterien hhmatogen in die Haut eingewandert oder umgekehrt yon deft in die Blutbahn eingedrungen sind, ist, wie in allen derartigen I Fallen, nicht mit Sieherheit zu entscheiden. Fall 2. Bei der Sektion (Nr. 1631/191.2) des am 17. VI. wegen Lungentuberkulose aufgenommenen und am 20. VII. verstorbenen 16j~hrigen 1VIadcherts E. land sich, abgesehen yon mit H~ihlenbildung einhergehender Tuberkulose der Lungen und tuberkulSsen Kehlkoplgeschwiiren, auf der 24 *
doi:10.1007/bf02284438 fatcat:ftl24i6pqvbyzna2ekoavqnqme