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2001 Schweizerische Ärztezeitung  
Das Curriculum -ein Politikum Eine vorläufige Replik auf den Artikel von M. Geiser [1] Sehr geehrter, lieber Herr Professor Geiser Vorerst möchte ich Ihnen meine Bewunderung ausdrücken, wie ein seit Jahren emeritierter orthopädischer Chirurg immer wieder bereit ist, sich aktuellen, ja brisanten Themen zu stellen. Wir alle wissen, dass Max Geisser kein einfacher Diskussionspartner ist, aber nur tote Fische schwimmen immer mit dem Strom. Als Vorsitzender der Kommission Fachstudium der
more » ... n Fakultät Bern fühle ich mich durch Ihre Zeilen nicht angegriffen, aber angesprochen. Diese Kommission hat die Aufgabe, das 4.-6. Studienjahr («Klinik») zu planen, zu implementieren und zu evaluieren. Das 1.-3. Studienjahr wird durch die Kommission Grundstudium (Vorsitz: Prof. U. Brodbeck) geführt. Die beiden Kommissionen unterstehen der Curriculumskommission (Vorsitz: Vizedekan Lehre, Prof. V. Im Hof), welche die strategischen Entscheide fällt. Die Tatsache, dass die medizinische Fakultät Bern mich als Hausarzt zum Vorsitzenden der Kommission Fachstudium gewählt hat, zeigt, dass sie es mit der praktischen Medizin ernst nimmt. Ich weiss, dass Sie sehr belesen sind und stelle deshalb PANTA REI, alles fliesst, an den Anfang meiner kurzen Replik. Wenn ein Studium in der heutigen Zeit der teilweise rasanten Fortschritte und Entwicklungen in Selbstgefälligkeit erstarrt, werden wir damit den Herausforderungen des Fortschritts nicht gerecht. Es gibt in der Schweiz medizinische Fakultäten, die eher konservativ sind, es gibt Fakultäten, die eher progressiv sind und Bern bewegt sich etwa in der Mitte, aber es bewegt sich! Ein gesunder Mix aus Bewährtem (dazu gehören auch die Vorlesungen, auf die wir nie ganz werden verzichten können) und Neuem (problemorientierter Unterricht, mehr psychosoziale Inhalte, Hausarztmedizin, Ethik, Gesundheitsökonomie usw.) dürfte die angestrebten Studienziele am ehesten in erreichbare Nähe rücken. So ist auch die gemäss Medien «vernichtende Kritik» der internationalen Akkreditierungs-Kommission auf verschiedenes Terrain gefallen: Zürich lehnt die Kompetenz der Akkreditierungs-Kommission eher ab, die andern medizinischen Fakultäten versuchen, aus den Erkenntnissen möglichst konstruk-
doi:10.4414/saez.2001.07885 fatcat:2h4ug67yhfhpjdn44bm4e6j7ai