Elvis, der Gestaltwandler

Ian Panman, Mediarep, Philipps Universität Marburg
2016
I m Frühjahr 1965, auf dem Weg von Memphis nach Hollywood, mitten in der Wüste, als sein Kreislauf in einem Tinnitus-Rauschen aus verschreibungspflichtigen Aufputsch-und Beruhigungsmitteln rotierte, brach Elvis Presley schließlich zusammen. Er schüttete seine Probleme vor Larry Geller aus, dem Promifriseur, der in letzter Zeit eine Art geistiger Führer für Elvis geworden war. Geller hatte ihm eine bewusstseinserweiternde Leseliste mit, heute würden wir wohl sagen: New Age-Selbsthilfebüchern
more » ... mmengestellt. Elvis hatte sie alle gelesen, alle Meditationen durchgeführt, doch spürte er das Licht noch immer nicht, weder im Geiste noch in Körper oder Seele. Das Feuer wollte einfach nicht herabkommen, sein spiritueller Raum blieb ein Vakuum. Erst jetzt, im plüschig spezialgefertigten Tourbus, ging Geller auf, wie verzweifelt Elvis schien. In Panik griff er einen Zen-Koan heraus: »Wenn du Tee willst, mach erst deine Tasse leer.« (Tee? Leere Tassen? Das war nicht gerade die Sprache, die Elvis sprach. Seine Tasse auszuspülen, sollte mehrere Generationen erfordern.) Später an jenem Nachmittag, auf einer Straße am Grand Canyon, drehte sich alles um seine Achse. Elvis packte Gellers Arm, zeigte aus dem Bus auf ein paar entfernte Wolken und rief: »Schau! Da ist Josef Stalin in den Wolken! Was macht der denn da oben?« Er ließ den Bus halten und rannte in die Wüste hinaus. »Oh mein Gott, Larry, folge mir!«, stammelte Elvis tränenüberströmt. Er packte Geller, umarmte ihn und sagte: »Du hast recht, du hast mir die Wahrheit gesagt. Gott ist Liebe.« Nun hatte weder der Himmel die E S S A Y
doi:10.25969/mediarep/1474 fatcat:wq2hsuat3reh5nfun3ht2jvdji