Selbstverständnis und Ethos katholischer Theologie [article]

Thomas Marschler, Universitaet Tuebingen
2021
Die Debatte, die im Anschluss an die Münchener Fachtagung mit dem Titel "Das Konzil ,eröffnen"' entstanden ist, zeigt einige Besonderheiten. Zunächst mag es überraschen, dass eine von unzähligen wissenschaftlichen Veranstaltungen zum fünfzigjährigen Jubiläum des zweiten Vatikanums überhaupt in der Lage ist, mit ihrer Abschlusserklärung die theologischen Gemüter zu erhitzen; vermutlich hatten die Verfasser und Unterzeichner selbst kaum mit diesem Echo gerechnet. Interessant ist auch die
more » ... t auch die Tatsache, dass die kontroversen Reaktionen zunächst im Internet publiziert wurden und erst in einem zweiten Schritt Ergänzung durch einige Print-Beiträge gefunden haben; diese Ortsverschiebung tagesaktueller Diskurse könnte sich in Zukunft fortsetzen. Öffentliche Brisanz bekommt die Diskussion überhaupt erst durch die Beteiligung von Rudolf Voderholzer und Stefan Oster, die unter den deutschen Diözesanbischöfen als einzige in jüngerer Zeit unmittelbar aus einer akademischen Tätigkeit in ihr Amt gewechselt sind. Ihre Wortmeldungen haben kritische Antworten provoziert -nicht bloß aus der Theologenschaft, sondern auch seitens eines Mitbruders (Franz-Josef Overbeck). Dies allein zeigt, dass die Kontroverse nur bedingt unter dem Label "Lehramt versus Theologie" verbucht werden kann. Offenbar berührt sie Fragen, über die weder innerhalb der akademischen Theologie noch in einer Bischofskonferenz Einheit herrscht.
doi:10.15496/publikation-54183 fatcat:7wglazgg7zezxc6s2d4zfumsie