Der Nasenspülapparat Vakuum

Geheimrat Walb
1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
berichtete Heymanri über ein neues Verfahreii, die Nase auszuspillen mittels eines Apparates, der statt positiven Druck negativen Druck verwandte. Der Verfertiger des Apparates (H e n d r i e h s) hat inzwischen auf Grund dieser Mitteilung den Apparat empfohlen und demonstriert. So erschien er auch hier in Bonn, und ich ließ mir ihn an mehreren Krankenhauspatienten, bei denen wir bis dahin die Nasenspülung mit positivem Druck ausgeführt, zeigen. In einer schon im Druck befindlichen Arbeit, die
more » ... lichen Arbeit, die demnächst in der Zeitschrift für Ohrenheilkunde erscheint, bin ich auch auf den Gebrauch der Nasendusche. eingegangen und habe dort gezeigt, wie es gelingt, auch bei positivem Druck die üblen Folgen, namentlich die Mittelohrentzilndungen, zu vermeiden. Der erste Patient nun, bei dem Herr Hendrichs hier im Hospital den Apparat versuchte, versagte vollkommen; es war ein Patient drittei Klasse, und es gelang nicht, durch eine Schluckbewegung, die zu Anfang geschehen muß, den Gaumen in die Höhe zu bekommen. Es war daher unmöglich, ein Vakuum zu erzielen. Da ich dachte, daß es an der fehlenden Intelligenz scheiterte, nahm ich eine Privatpatientin. Auch bei dieser gelang die Anwendung des Apparates nicht, indem wiederum kein Vakuum erzielt wurde. Erst bei der dritten Patientin, ebenfalls eine Privatkranke, kam nach anfangs fruchtlosen Versuchen ein Vakuum zustande, und es lief dann die Spülflüssigkeit durch, aher auch nur für eine kurze Zeit, und dann versagte der Apparat wieder. Diese Patientin nun bekam schon in der darauffolgenden Nacht Ohrenschmerzen, und es zeigte sich am anderen Morgen eine akute Otitis media, ein Ereignis, das wir, die wir gewohnt sind, täglich eine große Anzahl Nasenduschen mit positivem Druck auszuführen, seit Jahrzehnten nicht kennen; es it eine Ironie des Schicksals zu nennen, daß derjenige Apparat, der angeblich die Mittelohrentzündungen vermeiden sollte, diese sofort bei uns erzeugt hat. Ich war von vornherein gegen den Apparat eingenommen, als ich hörte, daß die Prozedur mit einem Schlingakt beginnen muß, nebenbei nach geöffnetem Wasserhahn, und daß während der ganzen Durch. spülung der Gaumen andauernd hoch stehen muß, Verhältnisse, die gerade das Eindringen von Flüssigkeiten ins Mittelohr begünstigen. Der Apparat beruht auf demselben Prinzip, wie es in ausgezeichneter Weise von M a t t er t benutzt worden ist zum Aussaugen der Nase und der Nebenhöhlen; auch dieser wird an die Wasserleitung angeschlossen. Wir haben gleich nach dem Erscheinen der Mattertschen Mitteilung das Verfahren nachgeahmt und benutzen es sowohl in der Klinik wie im Hospital ausnahmlos für die genannten Zwecke. Nach der obigen Erfahrung müssen wir vor Anwendung des Vakuum-Apparates von Hendrichs eindringlich warnen. Herr Hendrichs meinte zwar, daß die Mißerfolge bei unseren Fällen hauptsachlich durch die mangelnde Uebung der Betreffenden herbeigeführt seien. Mit dieser mangelnden Uebung werden wir aber mehr oder weniger immer zu 1) Die Diskussion ist an dieser Stelle geschlossen. D. Red. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1128499 fatcat:mayogxhif5cutbwoda6foti7du