Employed family caregivers in health care: from a logic of care to a logic of reconciliation / Berufstätige Angehörige im Gesundheitswesen: Von der Versorgungslogik zur Vereinbarkeitslogik

Iren Bischofberger, Karin van Holten
2015 International Journal of Health Professions  
Einleitung: Im Kontext von Krankheit, Behinderung und Hochaltrigkeit eröffnet sich die neue Dimension der Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege, in der Schweiz auch als "work & care" bekannt. Erwerbstätige Angehörige sind wegen ihrer zeitlichen, örtlichen und personalen Situation auf eine vereinbarkeitsfreundliche Betriebskultur in der Gesundheitsversorgung angewiesen, um ihre Erwerbstätigkeit aufrechterhalten und ihre Existenz sichern zu können. Ziel: Untersucht wird, wie die
more » ... , wie die Betriebskultur und Organisation von Gesundheitsinstitutionen die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege beeinflussen. Methodik: Im Rahmen einer grösseren Vereinbarkeitsstudie wurden Case Studies in drei Schweizer Betrieben der akut- und langzeitstationären sowie der häuslichen Versorgung durchgeführt. Die Methodentriangulation umfasste Dokumentenanalysen, Experteninterviews (N=13), Feldbeobachtungen sowie Gruppendiskussionen (N=5 à je 4-5 Teilnehmende). Letztere stehen in der Analyse dieses Artikels im Zentrum. Ergebnisse: Die zentralen Ergebniskategorien diskutieren Angehörige als Leistungserbringer/-innen und Leistungsempfänger/ -innen, und wie sie - berufstätig oder nicht - als physisch anwesend oder abwesend wahrgenommen werden. Dabei wird die Erwerbstätigkeit der Angehörigen allerdings lediglich als Randphänomen sichtbar. Diskussion: Über alle Ergebniskategorien hinweg wird deutlich, dass Angehörige institutionellen Regeln im jeweiligen der drei Versorgungssettings unterworfen sind. Diese können vereinbarkeitsfördernd oder -hemmend sein. Gezielte Lösungsansätze, etwa das Care Management, fördern die Vereinbarkeitslogik in der Gesundheitsversorgung und damit auch Handlungsmöglichkeiten der Gesundheitsfachpersonen zugunsten von erwerbstätigen Angehörigen. Schlussfolgerung: Die Institutionen richten ihren Versorgungsauftrag und ihre Arbeitsprozesse primär auf Patienten/-innen oder Bewohner/-innen aus und folgen damit dominant der Versorgungslogik. Dieses Primat sollte durch eine Vereinbarkeitslogik ergänzt werden, damit die lebensweltliche Realität der erwerbstätigen Angehörigen stärker berücksichtigt wird.
doi:10.1515/ijhp-2015-0007 fatcat:wpzcwl7n6vhytkao6ycs4z6jai