Einladung zur Subskription auf die photographischen Sternkarten

Johann Palisa, Max Wolf
1908 Astronomical Notes - Astronomische Nachrichten  
Kopien seiner Aufnahmen das Auffinden und Beobachten kleiner Planeten, besonders der lichtschwacheren, so wesentlich erleichtert, daD ich nur etwa den vierten Teil der sonst notwendigen Zeit zur Auffindung beniitige. Dies brachte mich auf den Gedanken, daD es vom groaten Vorteil fur diesen Zweig der Astronomie ware, wenn die Aufnahmen des Heidelberger astrophysikalischen Institutes in einer sofort brauchbaren Form allgemein zuganglich gemacht wiirden. Dem kani entgegen, daD Professor Wolf
more » ... rofessor Wolf gleichfalls die Absicht hatte, spater seine Aufnahmen zu einer Karte zusammenzustellen und deshalb mit Freuden auf meinen Vorschlag einging. Es hatte sich bei meinen Versuchen gezeigt, daD eine Karte nur dann einen praktischen Wert besitzt, wenn dieselbe rnit Gradnetz versehen ist, so daD man ohne Vorarbeiten die Karten xum Aufsuchen der Objekte und der Sterne beniitzen kann. Ich faate nun zunlchst den Plan, den Wolfschen Aufnahmen Teile von zehn zu zehn Zeitminuten in Rektaszension und zwei Graden in Deklination zu entnehmen, auf den MaDstab ein Millimeter gleich ciner Bogenminute zu bringen und mit einem Gradnetze zu versehen, welches nicht die allerhochste Genauigkeit zu bieten, sondern nur die rasche Orientierung zu ermoglichen braucht. Die hohen Herstellungskosten derartiger Karten waren die Ursache, daD ich dieses Projekt fallen lieD und mich einem andern ziiwandte, welches darin gipfelt, die Aufnahmen i n i h r e r g a n z e n A u s d e h n u n g und u n v e r g r 6 D e r t zu beniitzen, und gleichfalls rnit einem G r a d n e t z zu versehen. Der MaDstab ist lo = 36 m m und jede Karte umfai3t 50 Quadratgrade. Die Entstehungsweise der Heidelberger Aufnahmen bringt es rnit sich, dai3 sie sich nicht systematisch aneinander reihen lassen, wie es z. B. bei dem groDen internationalen Unternehmen der photographischen Himmelskarte der Fall ist. Es wird sich daher ofters ereignen, daD einige BlZltter sich stark iibergreifen. Professor Wolf erklarte sich, um den Preis der Blltter recht billig zu gestalten, gern bereit, kostenlos von seinen Aufnahmen seitenverkehrte Diapositive mittelst Kamera herzustellen, auf welche das Netz mit einer Schneidevorrichtung noch einzutragen war. Die Rektaszensionslinien in einem solchen Netze sind gerade Striche, die Deklinationslinien Kurven von entsprechender Kriimmung. Zum Ziehen der geraden Linien wurde ein sorgfdltig hergestelltes Stahllineal verwendet ; zum Ziehen der krummen Linien wurde dasselbe Lineal in einen Apparat eingespannt, in welchem ihm mittels einer Mikrometerschraube beliebige Kriimmungen gegeben werden konnten. Die Kriimmung der Randkurven wurde in jedem einzelnen Falle durch Anhaltsterne bestimmt, die Kriimmung der Zwischenlinien durch Interpolation. Von einem so rastrierten Diapositiv sollten nun Kopien auf glatt mattem Bromsilberpapier gemacht werden, welches allein Eintragungen rnit Bleistift und Radierungen ohne Verletzung der Karte zulai3t. Die Bezifferung des Netzes und die anderen jedes Blatt charakterisierenden Angaben waren auf der Karte durch Bnchdruck anzubringen.
doi:10.1002/asna.19081780806 fatcat:umwih76d35gkvmqn4zpiddpply