Entwicklung der Rechtschreibkompetenz im zweiten und dritten Schuljahr: Eine latente Transitionsanalyse zur Überprüfung theoretischer Annahmen

Jessica Jaeuthe, Jennifer Lambrecht, Stefanie Bosse, Katja Bogda, Nadine Spörer
2020 Zeitschrift für Erziehungswissenschaft  
Zusammenfassung Im deutschsprachigen Raum existiert eine Vielzahl von Modellen zur Entwicklung der Rechtschreibkompetenz von Grundschulkindern. Es zeigen sich starke Übereinstimmungen in der Vorstellung von aufeinanderfolgenden Kompetenzniveaus, wobei in allen Modellen drei Niveaus auftreten: 1) noch nicht lautgetreue Schreibungen, 2) lautgetreue Schreibungen und 3) orthographisch korrekte Schreibungen. Die Kriterien, auf Basis derer ein Kind dem jeweiligen Niveau zugeordnet wird, bleiben
more » ... wird, bleiben jedoch vage. Ebenso fehlt eine umfassende empirische Überprüfung der Modelle. Die vorliegende Längsschnittstudie untersuchte zu drei Messzeitpunkten (Anfang Klasse 2, Ende Klasse 2, Ende Klasse 3) die Schreibungen von N = 697 Grundschulkinder mit standardisierten Rechtschreibtests. Mittels latenter Transitionsanalyse wurden drei Profile identifiziert: 1) Überwiegend nicht lautgetreu 2) Überwiegend lautgetreu und 3) Überwiegend korrekt. Auch die durchlaufenen Pfade und Übergangswahrscheinlichkeiten stützen die angenommene hierarchische Struktur der Modelle. Abstract Related to the German language, there exists a variety of theoretical models to describe the development of orthographical competence of primary school students. When comparing these models, similarities were identified regarding the concept of consecutive levels of competence. In each of the models three levels were hypothesized: 1) no phonemic spelling yet, 2) phonemic spelling, and 3) orthographically correct spelling. However, the criteria on which basis a child is assigned to a respective level remain vague. Likewise, empirical validation of the models is missing. In the present study, spelling competency of N = 697 primary school students was assessed using standardized spelling tests at three measurement time points (begin of grade 2, end of grade 2, end of grade 3). By applying latent transition analysis, three profiles of development were identified: 1) predominantly no phonemic, 2) predominantly phonemic and 3) predominantly orthographical correct. In accordance to the theoretical assumptions, the traversed paths and probabilities of transitions supported the hierarchical structure of the levels of competence. Einleitung Rechtschreibkompetenz wird in unserer Gesellschaft als eine Schlüsselqualifikation gesehen. Ziel der Schule ist es daher, dass alle Schülerinnen und Schüler Rechtschreibkompetenzen erwerben. Die Entwicklung der Rechtschreibkompetenz wurde bereits in zahlreichen theoretischen Modellen dargestellt. Die Modelle weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten und Unterschieden auf, wobei ihnen die Annahme einer hierarchischen Struktur der Entwicklung der Rechtschreibkompetenz gemeinsam ist. Zwar existieren verschiedene Studien zur Entwicklung der Rechtschreibkompetenz, eine direkte Überprüfung der hierarchischen Struktur der Modelle blieb bislang jedoch aus. Diesem Desiderat widmet sich der vorliegende Beitrag, indem die Entwicklung von Grundschulkindern über zwei Grundschuljahre hinweg längsschnittlich untersucht wurde. Theoretischer Hintergrund Rechtschreibkompetenz besteht aus verschiedenen Aspekten. Hierzu gehört, dass Schülerinnen und Schüler die Zeichensetzung beachten, über Fehlersensibilität verfügen, eigene Schreibungen korrigieren und insbesondere Rechtschreibstrategien anwenden (vgl. KMK 2005). Rechtschreibstrategien umfassen sowohl die Fähig-K Entwicklung der Rechtschreibkompetenz im zweiten und dritten Schuljahr: Eine latente...
doi:10.1007/s11618-020-00959-5 fatcat:pgrqi432rvdilgkgc5x57c4ksi