Tantal und Wasserstoff

M. von Pirani
1905 Berichte der Bunsengesellschaft für physikalische Chemie  
555 In einer zweiten Operation, in welcher die klare Ldsung nicht so stark verdunnt wurde, bekamen wir ein Produkt , dessen Zusammensetzung sich derjenigen des Stoffes 11 sehr naherte. Es ist zu bemerken, dass die Lbsungen nicht stark erhitzt sein darfen, denn sonst tritt die reduzierende Wirkung des Formamids hervor und es scheidet sich metallisches Antimon ab. Aus diesem Grunde gelingen die Versuche mit dem hbher schmelzenden Wismutchlorid nicht so einfach. Suspendiert man das Salz in
more » ... das Salz in Formamid, so verwandelt sich beim SchUtteln .das erstere in einen feinflockigen Niederschlag. Wendet man aber ein chlorwasserstoffhaltiges Cormamid an, so lost sich das Salz reichlich auf und gibt bei starker Verdannung ebenfalls .einen weissen Niederschlag. Das Sammeln und Reinigen dicses Produktes, welches schon fur die Antimonverbindung erbebliche Schwierigkeiten bietet, war hier ganz unmsglich wegen des langsamen Filtrierens der dickflassigen Losung und der schwer vermeidlichen Zersetzung durch die atmosph%rische Feuchtigkeit. Ueber den Gang der Reaktion und die Natur des Produktes kann jedoch kaum ein Zweifel bestehen. Wiederum ein ganz analoges Verhalten beobachteten wir rnit den 1-bsungen des Antimontrichlorids in Acetamid, wobei jedoch die Verdannung sehr stark sein muss. Endlich sei es hervorgehoben, dass die von uns entdeckte Reaktion sich sehr gut als Vorlesungsversuch eignet und diirfte wohl die deutlichste Dcmonstration der "HydrolyseU durch nichtwasserige Mittel bilden. e Veranderungen, denen das Tantal-metal1 beim Gluhen in der Atmosphare eines Gases unterliegt, sind von ausserordentlich durchgreifender Natur und so mannigfaltig, dass es interessant erscheint, festzustellen , in welcher Weise es von den verscbiedenen reinen Gasen Ibeeinflusst wird. Die folgende Untersuchung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Veranderungen des Tantals beim Glahen in einer Wasserstoffatmosphiire genauer zu studieren. Der Wasserstoff wurde aus einem Kipp-.schen Apparat aus Zink und Salzsaure oder Zink und Schwefelsaure gewonnen und durch eine Reihe von Waschflaschen und Trockengefassen geleitet, welche der Reihe nach mit tlbermangansaurem Kali, alkalischer Pyrogallussaurelbsung (zwei Flaschen), flilssiger Kalilauge, Schwefelsaure , kaustischer Kalilauge und Phosphorsaure gefallt waren. Nach dem Durchgang .durch das Gefiiss mit Phosphorsaure strich der Wasserstoff noch tiber stark (bis in die Nahe .des Schmelzpunktes) erbitztes Calcium oder geschmolzenes Natriummetall, um die letzten Reste von Sauerstoff und Feuchtigkeit mbglichst zu entfernen, speziell die Reste des Sauerstoffs, welche durch die Verbindungsschlauchstacke hin-.eingelangt sein konnten. Dieser Wasserstoff war sehr rein. Die Probe der Reinheit wurde folgendermaassen gemacht : Dflnne Kupfergaze wurde an der Luft durch langeres Ausgltlhen vollstandig oxydiert und -dann, in ein dllnnes, etwa 30 cm langes Hart-gl&rohr gebracht. Dies Rohr wurde an der Austrittsstelle .des Wasserstoffes angeschlossen und das Kupfer zum Glahen erhitzt, so dass es sich in der Wasserstoffatmosphiire vollkommen reduzierte. Darauf wurde das Ende der Rbhre mit Aether abgekilhlt und unter fortwahrendem Glahen des Kupfers etwa eine Stunde Iang kahl erhalten. . Etwa vorhandener Sauerstoff h%tte sich durch Bildung eines Wasserbeschlages zeigen massen. Die gekahlte Stelle blieb jedoch vollkommen klar; selbst wenn das Rohr mit dem erhitzten Calcium weggelassen wurde. Dass dennoch Spuren von Sauerstoff nicht zu vermeiden waren, welche sich selbst auf diese Art nicht zeigten, bewies der Umstand, dass nach mehrstandigem elektrischen Glahen in ziemlich schnell fliessendem Wasserstoff ein Tantaldraht allmahlich oberfltichlich oxydierte, was sich durch Bildung von Anlauffarben und spater eines feinen weissen Beschlages von Tantalsiiure (Tuz 05) hsserte. Um einen annahernden Begriff (rber die Sauerstoffmenge zu bekommen, um die es sich hier schlimmstenfalls handeln kann, wurde der Wasserstoff (das Calciumrohr war nicht eingeschaltet) mehrere Stunden lang aber eine donne, breite Schicht glahenden Tantalpulvers geleitet und dessen Sauerstoffaufnahmefahigkeit vor und nach dem Glahen im Wasserstoft bestimmt. Der Versuch wurde folgendermaassen angestellt: 0,44 g Tantalpulvet wurden im Sauerstoffstrom zu, Tu, 0, verwandelt, das Pulver nahm dabei 0,061 g Sauerstoff auf, was etwa einem Tantalgehalt von c~O /~ entspricht. Glahte man eine gleicbe Menge desselben Pulvers vor dern Verbrennen in dem auf die oben beschriebene Weise hergestellten Wasserstaff , so nabm
doi:10.1002/bbpc.19050113404 fatcat:6lrvtvv4yresxaryopyu6ltxhm