Konfessionalisierung im lateinischen Theater der Frühen Neuzeit

Fidel Rädle, Göttingen Academy Of Sciences
2019
Im Rahmen des Carl Friedrich Gauß-Kolloquiums "Formen und Themen der lateinischen Literatur in der Frühen Neuzeit" am 8 Mai 2009 im Rahmen der Feierlichen Jahresversammlung der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft als Vortrag gehalten. [S. 215] Das lateinische Drama der Frühen Neuzeit, und speziell das lateinische Drama im Gefolge der Reformation, um das es hier gehen soll, ist eine ganz besondere, in gewissem Sinne neue literarische Gattung. Viele Stücke verkünden diesen
more » ... den diesen Anspruch, neu zu sein bzw. etwas Neues darzustellen, bereits ausdrücklich im Titel oder wenigstens im Prolog. Neu können sie sich einfach deshalb nennen, weil sie nicht zu dem tradierten kostbaren Bestand der antiken Dramen gehören, die man in der Renaissance wiederentdeckte und die endgültig durch den Buchdruck in der gelehrten Welt allgemein verfügbar wurden: die 6 Komödien des Terenz sind erstmals 1470 gedruckt worden, zwei Jahre später, 1472, folgte Plautus mit seinen 20 Komödien. Die 10 Tragödien Senecas lagen seit 1484 im Druck vor, ihre eigentliche, für das volkssprachige Drama in Europa prägende Wirkung entfalteten sie allerdings erst im 17. Jahrhundert. Neu erschien das lateinische Drama aber vor allem auf dem Hintergrund des mittelalterlichen geistlichen Schauspiels, das aus der Liturgie hervorgegangen ist und ursprünglich lateinisch war, aber bereits seit dem 12. Jahrhundert allmählich der Volkssprache anheimfiel und in die Regie der städtischen Bürgerschaft überging. Das neulateinische Drama ist ein reines Produkt des Humanismus, sein Ursprungsort und sein genuines Milieu ist nicht mehr die Kirche, sondern die Lateinschule. Da aber ein Schauspiel, wie schon der deutsche Name sagt, nicht nur als Text gelesen, sondern auf der Bühne agiert gesehen werden will, also von Natur zum théatron, zum Theater, drängt, hat dieses humanistische Drama sehr bald die engen Räume der Schule verlassen und eine größere Öffentlichkeit gesucht, sei es auf den Marktplätzen der Städte, sei es in den großen Sälen der Fürstenhöfe oder auch in Kirchen. Generell darf Fidel Rädle, Konfessionalisierung im lateinischen Drama
doi:10.26015/adwdocs-1628 fatcat:brk3dciokvfane62zti2o2kehi