Untersuchungen zum genotoxischen Potenzial von partikulären Platingruppenelementen in kultivierten Lungenzellen [online]

Andreas Zeller
2004
Die zur Abgasreinigung in Kraftfahrzeugen eingesetzten Katalysatoren stoßen bei normalem Betrieb lungengängige Partikel aus, welche die Platingruppenelemente (PGE) Platin, Palladium und Rhodium enthalten. Die PGE scheinen auf den ersten Blick wegen ihrer chemischen Inertheit keine Bedrohung für die menschliche Gesundheit darzustellen. Untersuchungen mit Pt-haltigen Modellpartikeln, die den aus Abgaskatalysatoren emittierten ähneln, zeigen jedoch im Tierversuch eine überraschend hohe
more » ... nd hohe Bioverfügbarkeit von Platin aus diesen Partikeln. In der vorliegenden Arbeit wurde mit verschiedenen Mikroskopieverfahren nachgewiesen, dass kultivierte menschliche Lungenzellen PGE-haltige Feinstpartikel aufnehmen können. Anschließend kommt es zur Zunahme des Pt-Gehalts einer subzellulären Proteinfraktion sowie zur Bildung von Addukten an zellulärer DNA. Mit speziellen Katalysator-Modellpartikeln konnten ausführlichere Untersuchungen durchgeführt werden. Dabei wurde gezeigt, dass die entstandenen Addukte in ihren chemischen Eigenschaften teilweise den durch das platinhaltige Zytostatikum cis-Diammindichloroplatin(II) (Cisplatin) hervorgerufenen ähneln. Ihre Resistenz gegenüber dem Nukleophil CN¡ ist jedoch deutlich geringer ausgeprägt als beim Cisplatin. Außerdem haben die aus der Partikelexposition resultierenden Addukte keine durch den HPRT-Test oder den Mikrokerntest nachweisbare mutagene, klastogene oder zytotoxische Wirkung. Abschließend kann von einem genotoxischen Potenzial der untersuchten Substanzen gesprochen werden. Für präzisere Angaben, insbesondere eine quantitative Risikoabschätzung, müssen jedoch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.
doi:10.5445/ir/1232004 fatcat:varfrwfk7re5hbaigzy444uipy