Zur Technik der Paraffin-Injektionen

Albert Stein
1910 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
dirigierendem Arzt der chirurgischorthopadiseheri Abteilung am Augusta Viktoria-Bad in Wiesbaden. Es ist jetzt gerade ein Deennium verfiossen, seitdem die Paraffin-Injektionen von Gersuny in die chirurgische Therapie eingeführt worden sind. Während man in den ersten Jahren dieses Dezenniums lebhaften Kontroversen über die bei den Injektionen anzuwendende Technik, insbesondere auch über das zu verwendende Injektionsmaterial begegnete. hat sich der Streit seit einigen Jahren gelegt. Man hat
more » ... legt. Man hat eikannt, daß die iiblen Zustände, welche man in den ersten Jahren erlebte und welche man nur zu leicht der ganzen Methode in die Schuhe zu schieben geneigt war, zum allergrößten Teile auf eine mangelhafte Technik zurückzuführen waren. Infolgedessen ist man auch nach und nach völlig davon abgekommen, das Paraffin in flüssigem Zustande einzuspritzen, und hat allenthalben derjenigen Technik den Vorzug gegeben, welche ich bereits 1901 in einer längeren Arbeit') empfohlen habe, nämlich der Einspritzung des Paraffina in k 1 e i ne n M e n g e n und in feste ni, e r kalt e t em Zustande. Ich habe die Gründe, welche mich zu der Ueberzeugung brachten, daß die Injektion festen, erkalteten Matecials die Methode der Wahl bei den Paraffin-Injektionen darstellen müsse, in zahlreichen Publikationen und vor allem in einer dieses Thema behandelnden Monographie') ausführlich dargestellt und muß an dieser Stelle auf diese Ausführungen Bezug nehmen. Die Tatsachen haben mir recht gegeben; man hat in den letzten Jahren, seit sich meine Methode allgemeine Anerkennung verschafft hat, nichts mehr von Unglücksfällen gehört. Es war zunächst schwierig, eine geeignete Spritze zu beschaffen, welche die Möglichkeit bot, das Paraffin in festem, erkaltetem Zustande in das Innere des Körpers zu bringen. Denn eine solche Spritze mußte in der Lage sein, einen ganz besonders starken Druck auszuhalten, wenn es möglich sein sollte, auch härteres Paraffin durch sie durchzupressen; dazu eigneten sich die vorhandenen gewöhnlichen Injektionsspritzen keineswegs. Ich habe diese Schwierigkeit dadurch zu lösen versucht, daß ich im Jahre 1904') eine Metallspritze angab, in welcher die Kolbenstange nicht herabgedrückt, sondern nach Art der Tripperspritze von Guyon herabgeschraubt wurde. Diese Spritze hat mir persönlich im Laufe der letzten fünf Jahre bei vielen Hunderten von Paraffin-Injektionen wertvolle Dienste geleistet und sie hat sich auch anderweit überall da Eingang verschafft, wo man Anhänger der oben wiedergegebenen Anschauungen war. Indessen haben sich mir, wie dies ja immer in der Praxis zu gehen pflegt, während des Gebrauches einige Punkte ergeben, an denen die Spritze noch verbesserungsfähig war, und ich bin in dem Bestreben, diesen kleinen Mängeln abzuhelfen und die Spritze möglichst vollkommen zu gestalten, allmählich zu der Konstruktion eines neuen, verbesserten Modells gekommen, d.s in den folgenden Zeilen beschrieben werden soll. Die neue Spritze ( Fig. 1 und 2) ist gleichfalls vollkommen aus Metall gefertigt. Die Kolbenstange E läßt sich nicht herausziehen, sondern sie läßt sich nur auf-und niederschrauben, da sie in ihrer ganzen Länge ein Gewinde trägt. Dieses Gewinde läuft in dem oberen Ende des Spritzenzylinders bei A (Fig. 1 und 2) . Außerdem aber ist auch der Kolben C (Fig. 2) der Spritze selbst mit einem gleichartigen Gewinde versehen wie die Kolbenstange und schraubt sich in dem im Innern mit Gewinde versehenen Zylinder herab. Die Sehr au bun g, welche an der früheren Spritze, die nur ein Gewinde an der Kolbenstange trug, einfach war, ist also bei der neuen Spritze verdoppelt worden. Der untere Teil der Spritze (D) läßt sich vollkommen entfernen. Er ist ebenfalls durch Schraubgewinde befestigt und hat besondere Handhaben, welche erlauben, ihn sehr fest aufzupressen. Er muß entfernt werden, um die Spritze, nachdem der Kolben hochgeschraubt worden ist, Deutsche Medizinische Wochenschrilt 1901, No, 39 u. 40. Paraffininjektionen, Theorie und Prazie, Stuttgart 1904. Zentralblatt für Chirurgie 1904, No. 11, mit Paraffin unter Zuhilfenahme eines kleinen beigegebenen Metalltrichters (s. Fig. 3) zu füllen. Die Kanülen werden bei K ebenfalls aufgeschraubt. Auch sie haben kleine querstehende Handhaben, welche ein sehr festes Aufschrauben garantieren. Eine auf die Spritze auf-E E C gelötete kleine Mulde (F) dient dazu, während der Injektion dem Daumen der die Spritze haltenden Hand einen Widerhalt zu bieten. Der oberé Teil des Zylinders (B), welcher ebenfalls kleine Handgriffe trägt, kann mich vollständig abgenommen werden. Auf diese Weise ist die Spritze Fig. 3. Spritze mit Trichter und 4 IÇanülen im Metalletui. gänzlich auseinandernehmbar und nach dem Gebrauch leicht zu reinigen und zu sterilisieren. In der Praxis gestaltet sieh die Vornahme einer Paraffininjektion mit der neuen Spritze etwa folgendermaßen: Nachdem die Spritze ausgekocht worden ist (oder auch schon vorher), wird der Kolben vollständig nach oben geschraubt. Um dies schneller bewerkstelligen zu können, ist an dem Handgriff T ein kleiner A F D K 41 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. No.9 Fig. 1. Fig. 2 (Längsschrsitt). T Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1142617 fatcat:ar5fgv7udnbdngs72h3f3sifjy