Muskeltonus und Gesamtstoffwechsel1)

E. Grafe
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Das Problem des Muskeltonus, der zuerst von J. Müller ver. mutet, dann 18t'O von Brondgee st bewiesen wurde, steht heute, vor allem seit den grundlegenden Arbeiten von Bethe, y. Uexküll, F rö h Ii ch und l-l. H. M eye r u. a., im Vordergrunde des Interesses der Muskelphysiologie und -pathologie und besitzt auch fúr den Kliniker erhöhte Bedeutung. Wir kennen beim Menschen eine große Zahl von Krankheitszuständen, die mit einer mehr oder minder abnormen Spannung von Muskelgruppen einhergehen, z.
more » ... n einhergehen, z. B. Tetanus. Enceph&itis lethargica, Pyramidenbahnerkrankungen, Muskelkontrakturen, Paralysis agitans, Morbus Wilson, bysterische Katalepsie, Katathnie u. a. Neben diesem hypertonischen Verhalten der Muskulatur kommt bei anderen Muskel. und Nervenerkrankungen eine abnorme Schlaffheit (Hypotonie) vor. Die Tatsache, daß diese abnormen Spannungszustände mehr oder minder lange andauern, daß sie zum größten Teil dem Willen nicht unterliegen und oft bei relativ guter motorischer Kraft vorkommen, hat schon lange dem Ante den Gedanken nahegelegt, daß hier eine besondere Form der Muskel. funktion vorliegen müsse. Im Gegensatz zu der früher herrschenden Anschauung von Fick2), daß Verkürzung und Arbeitsleistung des Muskels Ausdruck, einer einzigen Funktion, nämlich der inneren Spannung sind, spricht' heute tatsächlich viel dafür, daß die Spannung bzw. Härtezunahme eines Muskels durch zwei ganz verschiedene Vorgänge bedingt sein kann, einmal durch einen gewöhnlichen tetanischen Kontraktions. prozeß, wie die meisten Bewegungen des Skelettmuskels ihn zeigen,
doi:10.1055/s-0029-1193031 fatcat:dmtx2cyfdvd3vmgtuqyz27hzji