Canburg

Ernst Schwarz
2016
Im Jahre 805 hat ein großer Feldzug gegen die Slawen in Böhmen stattgefunden, von dem die meisten der fränkischen Annalen kurz berichten (in terram Sclavorum, qui vocantur Beheimi). Böhmen wurde verwüstet und Herzog Lecho getötet 1 . Ausführlicher erzählt das Chronicon Moissiacense. Es waren drei Heere, die unter dem Oberbefehl des Königs Karl, des Sohnes des Kaisers, gegen die Beu-Widines (die böhmischen Wenden) zogen. Ein Heer kam über das Erzgebirge (Fergunna), man gelangte an die Eger
more » ... e an die Eger (Agara) und stieß zur Canburg vor (daneben Lesart: Cam-). Sie wurde belagert und das Land im Umkreis der Elbe und jenseits des Flusses verwüstet. Siegreich kehrte Karl zu seinem Vater zurück 2 . Die Nachricht ist wichtig für die böhmische Geschichte und hat oft das Interesse der Forschung geweckt. Es handelt sich um eine quellenarme Zeit. In der Schlacht bei Wogastisburg von 631 waren die Wenden des Königs Samo gegen die Franken siegreich geblieben. 791 war das Avarenreich vernichtet worden, damals war das fränkische Heer über Böhmen zurückgekehrt 3 . Dabei hatte man das Land kennen gelernt und vielleicht zur Tributpflicht genötigt, von der es sich wohl lösen wollte. Das kann der Anlaß zum Kriegszuge von 805 gewesen sein. Es war die Zeit, in der die slawischen Stämme in Böhmen noch nicht geeinigt waren. Es wäre wichtig zu wissen, wo Canburg lag, weil damit festgestellt werden könnte, in welchem Teile des Landes in diesem Jahre Kämpfe stattfanden.
doi:10.18447/boz-1974-3320 fatcat:3kuyykln7ffvhpefdqi33nlmgq