Die Praxis der Wagenfettfabrikation auf kaltem Wege

S. Rola-Stanislawski
1902 Chemische Revue über die Fett- und Harz-Industrie  
s n e r zur Prufung der Brauchbarkeit von Rostschutzfarben ein Verfahren in Vorschlag gebracht, nach welchem die Anstrichproben auf Eisenblechplatten durch Auflegen iiber ein rnit kochendem Wasser gefulltes Gefass Eines der unansehnlichsten, jedoch ertragreichsten Gewerbe ist die Wagenfettfabrikation auf kaltem Wege, die zur Zeit sozusagen popular 2~ werden beginnt und die Verseifungsmethoden auf warmem Wege immer mehr und mehr verdrangt. Der Fabrikant kann seken ganzen Betrieb in einem Lokal
more » ... eb in einem Lokal unterbringen, seine Vorrichtungen beschranken sich auf ein Paar Barrels, ein Sieb, einen Kuhrer und eine Wage, womit die Fabrik betriebsfahig erscheint. Trotz der Einfachheit der ganzen Methodik, nach welcher Wagenfette auf kaltem Wege bereitet werden, breiten die immer angstlichen Fabrikanten dennoch stets einen mystischen Schleier uber ihre Fettkiinste. Im Folgenden soll nun das ganze grosse Geheimnis offenbart werden. Das Harzol, wie es in der Wagenfetterzeug-ung verwendet wird, erhalt man derart, dass man Colophonium destilliert, und zwar verwendet man am haufigsten von amerikanischen Harzen die Marken E, F und G, entweder einzeln oder eine Sorte mit der anderen gemischt. Die minderwertigsten Destillate liefert das griechische Harz. Viele Fabrikanten trennen die einzelnen Fraktionen, wie rotes Rohterpentin, Harzblauol und Harzstockol erst gar nicht voneinander, treiben vielmehr bloss das Wasser a b und destillieren bis aufs Pech. Andere wieder separieren die einzelnen Destillate, urn diese gesondert den einzelnen Wagenfettsorten hinzuzufugen, was zwar grossere Kosten und mehr Arbeit verursacht, jedoch bessere Endprodukte liefert. In manchen Fabriken wird nach beiden Methoden gearbeitet, indem man das in Fraktionen destillierte zur Herstellung besserer, das in einem Zuge destillierte Harzol fur mindere Wagenfette beniitzt. Die Wagenfettfabrikation auf kaltem Wege grundet sich auf der leichten Verseifbarkeit des Harzstockoles rnit geloschtem! pulverisierten Kalk. Die derart erhaltene Seife allein ware sehr hart und briichig, zu keinem Zwecke brauchbar, weshalb man ihr in statu nascendi des Wasserdampfes ausgesetzt werden sollen. Jene Anstriche, welche dieser Einwirkung widerstehen, nicht erweichen oder nach den1 Ablosen der Farbendecke mittelst Anilin auf dem Metal1 keine Kostflecke zeigen, sollen allen Anforder'ungen entsprechen. Schon da-Mineral01 einverleibt, worauf man die butterweiche Seife, das Wagenfett, erhalt. Der verwendete Kalk soll fett sein, d. h. einen Gehalt von 96 bis 98 o/o an CaO haben; Kalk rnit nur 5 bis 8 o/o MgO-Gehalt verlangsamt schon die Verseifung eyheblich und lasst das erhaltene Fett, wenn nicht gerade mehr Harzol verwendet wird, griesig und glanzlos erscheinen. Die Verseifung nehme man nur in wohltempcrierten Lokalen (18 -200 C.) vor. Das Harzblauol verleiht dem Wacenfette seinen Glanz, lasst es oxydieren. Das rote Rohterpentin, das eigentlich nicht ins Wagenfett gehort wird vom Fabrikanten eigentlich nur aus Griinden der besseren Venvertung mitverwendet und in Meng-en von 2-5O/" den Wagenfetten zugefiigt. Es erhoht zwar auch in geringem Masse die Oxydationsf ahigkeit, verleiht aber den fertigen Produkten seinen charakteristischen Geruch. Zu den gebrauchlichsten Handelsmarken der Wagenfette gehoren solche rnit den Bezeichnungen: Feinst, Ia. schwimmend, Ia. Mercantil, Ia. oxidierend, "Excelsior" -Patentwagenfett, Harzwagenfett, Lubricator, Monfalconer, Amerikaner, belg isch, englisch, franzosisch,den Farben nach rnit den Zusatzen weiss, gelb, braun, blau, olivgriin, grunschwarz, violett, naturfarbig und schwarz. Es sei jedoch Tleich gesagt, dass die vielen Namen und Pradikate dieser Wagenfette blosse Reklamemittel sind, dass die Produkte ihrer Erzeugung m d Zusammensetzung nach aber im Ganzen md Grossen immer dieselben bleiben. Der Konsument ist ja fast nie in der Lage, zu wissen, was etwa einwagenfett B IaMonfalconer Ider ein Patent-Harzwagenfett ist. Blauol, Griinol, Harzol, geloschter Kalk, Xaphtasatz, die unvermeidlichen Beschwerungsnittel wie Gips, Schwerspat etc., das Veriilligungsmittel Harz und die eventuell erorderlichen Farben bilden das Rohmaterial des Vagenfett-Fabrikanten. (Schluss folgt.)
doi:10.1002/lipi.19020090105 fatcat:4rtflox4ozhbndgax3dzxjpvze