Editorial

Rainer Balloff, Stefanie Kemme, Denis Köhler, Lena Posch, Peter Wetzels
2019 Rechtspsychologie  
Liebe Leserinnen und Leser, der Winter ist überstanden und mit dem ersehnten Frühlingsanfang erhalten Sie hier nun das erste Heft des bereits 5. Jahrgangs der Zeitschrift Rechtspsychologie. In den kommenden Monaten stehen ferner eine Reihe von interessanten rechtspsychologischen nationalen wie internationalen Tagungen und Konferenzen vor der Tür, auf die wir gleich zu Jahresbeginn hinweisen möchten. Zu nennen sind hier vor allem die jährliche Konferenz der European Association of Psychology and
more » ... Law, die dieses Jahr vom 17. bis 20 Juli in Santiago de Compostela, Spanien, stattfinden wird, sowie die 18. Arbeitstagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vom 26. bis 28 September in Hildesheim. Letztere hat sich dem höchst aktuellen Motto "Die Vollzugsanstalt als Entwicklungsraum" verschrieben. Mit der Novellierung des Rechts der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB im Jahr 2016 ist der Umgang mit psychisch erkrankten Tätern verstärkt in den Vordergrund gerückt und wird hier aufgegriffen. Im Kontext dieser Herausforderungen berichten im vorliegenden Heft 1/2019 auch Michel A. Schulte-Ostermann und Christian Huchzermeier über die psychiatrische Tagesklinik in der JVA Neumünster. Sie thematisieren hier den Kontrast von Bedarf und Wirklichkeit. Ausgehend von dem Äquivalenzprinzip, nach dem der Versorgungsgrad im Vollzug so weit wie möglich dem in der Gesellschaft vorhandenen Versorgungsgrad entsprechen sollte, zeigen die Autoren erhebliche und hoch relevante Versorgungslücken auf. Der Prozentsatz psychisch Erkrankter im Vollzug liegt deutlich über dem Wert in der Normalbevölkerung; die Anzahl intramuraler Versorgungseinrichtungen kann dies aber nicht annähernd auffangen. Die hier vorgelegte deskriptive Auswertung von Daten der Patientenpopulation in Neumünster zeigt, dass diese in mehr als 50% drei oder mehr psychiatrischen Diagnosen aufweist und damit als hoch belastet einzustufen ist. Nach den bisherigen Erfahrungen der Autoren müssen Modifikationen an der Konzeption der Tagesklinik vorgenommen werden, da eine rein tagesklinische Versorgung von psychiatrisch eher leicht erkrankten Patienten dem erkennbaren wirklichen Bedarf, bei dem akut-psychiatrische Interventionen mit Betonung der Psychopharmakotherapie sowie gezielte Kriseninterventionen im Vordergrund stehen, nicht gerecht wird. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass mit dem Aufbau der psychiatrischen Tagesklinik in Neumünster 2016 lediglich ein erster und wichtiger Anfang gemacht wurde, da die zum Teil schwer gestörten Patienten ansonsten überwiegend ohne psychiatrisch-therapeutische Interventionen in der JVA untergebracht wären. Es besteht aber weiterhin erheblicher Nachhol und Anpassungsbedarf an die Erfordernisse der Wirklichkeit. Ein weiteres hoch aktuelles Thema wird von Thomas K. Heinz beleuchtet: Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO-EU) 2016/679 und das BDSG (neu), die seit dem 25. Mai 2018 in Kraft sind. Die DSGVO führt zu einer Reihe von Neuerungen
doi:10.5771/2365-1083-2019-1-3 fatcat:bd2qla63vne6laawonnjtyw2mu