Workshop "Technikfolgenbeurteilung und Wissenschaftsethik in Ländern Mittel- und Osteuropas"

G. Banse
1998 TATuP - Journal for Technology Assessment in Theory and Practice  
TA-Datenbank-Nachrichten, Nr. 2, 7. Jg., Juni 1998 Seite 97 bestimmt. Dieser erbringt den größten Anteil am Wachstum des Passagieraufkommens, der Inlandsverkehr wächst im Vergleich dazu eher moderat. -Trotz des absoluten Wachstums der Passagierzahlen auf den Inlandstrecken nahm das Passagieraufkommen auf den Strecken mit konkurrenzfähigen Bahn-Angeboten ab. Offen bleibt hier allerdings, inwieweit die Stärkung der Regionalflughäfen, die bei den streckenbezogenen Betrachtungen leider keine Rolle
more » ... leider keine Rolle spielen, Abwanderungseffekte zuungunsten der Großflughäfen bewirkt hat. -Es wird erwartet, daß Reisende vor allem auf Strecken mit einer (Bahn-)Fahrzeit von unter drei Stunden zunehmend vom Flugauf den Bahnverkehr umsteigen werden. Dabei erscheinen innerdeutsche Ost-West-Relationen wegen des häufig noch schlechteren Infrastrukturausbaus bei der Bahn weniger unter Druck als Relationen innerhalb der alten Bundesländer. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) arbeitet gemeinsam mit dem Board of Airline Representatives in Germany (Barig), der Lufthansa und der Deutschen Bahn an Lösungen, die Schiene stärker als bisher als Anreiseweg zu den Airports zu nutzen. Bislang kommen etwa 15 bis 20 % aller Fluggäste per Zug zum Flug. Neben der Anreise im Nahbereich soll verstärkt auch der Zubringerverkehr aus anderen deutschen Städten auf kürzeren Strecken vermehrt über die Bahn abgewickelt werden. Angestrebt wird ein System nach Schweizer Vorbild, bei dem der Reisende sein Gepäck bereits am Startbahnhof einchecken und möglicherweise schon seine Boardkarte in Empfang nehmen kann. Gerade die Realisierung einer durchgängigen Gepäckbeförderung erweist sich jedoch gegenwärtig als Schlüsselproblem, da die Deutsche Bahn AG (noch) nicht in der Lage ist, ihre betrieblichen Bedingungen und Ansprüche mit der dazu erforderlichen Logistik zu koordinieren. Dabei könnten bei diesem Konzept alle Beteiligten wirtschaftlich gewinnen: Die Fluggesellschaften könnten die Verluste, die sie auf innerdeutschen Routen zu verzeichnen haben, reduzieren. Die Flughäfen bekämen wertvolle Start-und Landefenster frei, die ihnen -wenn sie die freien Slots an die vor allem auf der Mittel-und Langstrecke eingesetzten Großraumflugzeuge vergeben könnten -mehr Fluggäste und damit mehr Einnahmen brächten. Und die Bahn schließlich hätte mehr Fahrgäste. Aus ökologischer Sicht bleibt das Vorgehen allerdings problematisch. Ein Zurückdrängen des Kurzstreckenverkehrs zugunsten des Mittelund Langstreckenverkehrs reduziert zwar Verkehre mit spezifisch (also streckenbezogen) hohen Schadstoffemissionen, schafft aber zugleich Raum für Verkehre mit absolut -also über die gesamte Strecke betrachteten -größeren Schadstoffemissionen. Diese Entwicklung könnte sich als Beispiel dafür erweisen, wo eine Verkehrsträgersubstitution letztlich umweltpolitisch kontraproduktiv wäre.
doi:10.14512/tatup.7.2.97b fatcat:rn7ufqyrgrgqbb3cxmvi276gse