Editorial

Die Redaktion, Kritische Berichte-Zeitschrift Für Kunst- Und Kulturwissenschaften
2013
EDITORIAL Mit dem vorliegenden Heft verabschieden sich vier der bisherigen Herausgeber. Die Beiträge von Rob ert Suckale und PeterKlaus Schuster b erühren sich, in dem sie konvergierende Momente von Richtungen belegen, die gewöhnlich als ge gensätzlich wie Feuer und Wasser b eschrieb en werden: Die Kriegsb egeisterung des Avantgardisten Franz Marc läßt nicht weniger schaudern als das wohlwollende Interesse von Wilhelm Pinder, dem wohl einflußreichsten Kunsthistoriker in der Zeit des
more » ... eit des Nationalsozialismus, für Vertreter der Avantgarde und besonders des Ex pressionismus. Diese Art Dialektik der deutschen Moderne und ihrer Anhänger kann in ihrer tieferen Problematik vielleicht erst aus dem Ab stand des nächsten Jahrhunderts vollständig analysiert werden. Berthold Hinz b eschreib t sodann die Voreingenommenheit der Auseinander setzung mit der Kunst des Faschismus seitens der Kunstgeschichtsschreibung nach dem Krieg. Der Beitrag zur »Götterdämmerung« versucht eine Analyse der Ideo logie neuplatonischer Interpretationsweisen, und Konrad Hoff mann attackiert die Wiederkehr des antiaufklärerischen Subjektivismus in der Kunstb etrachtung: Insgesamt eine Gegenrechnung der kunsthistorischen Methoden des zwanzigsten Jahrhunderts, denen die Beiträge üb er Goethe und Beuys eine Bestimmung der Selb stdefinition des Künstlers kontrastieren. Mit diesem Schwerpunkt zur kunsthistorischen Methodik versucht das vorlie gende Heft an die Auseinandersetzungen der ersten Jahre der kritischen berichte anzuknüpfen und die »Selb streflexion des Faches« voranzutreib en, zu deren Zweck die Zeitschrift gegründet wurde (Vorwort Heft 1, Jg. 1). Vieles hat sich seit her verändert. Blättert man in den früheren Jahrgängen, ergib t sich eine präzise Spiegelung der Veränderungen des intellektuellen »Zeitgeistes« von der Auf b ruchstimmung zu Beginn der siebziger Jahre über eine Verkümmerung des rebel lischen Elans um die Wende zu den achtziger Jahren b is zu einem neuen Auf schwung seitens der Frauenforschung in jüngerer Zeit. Zweifellos liegen in dieser eher passiven Dokumentation der jeweiligen Strömungen auch Gefahren; rück b lickend scheint kein Rat an die neue Redaktion so wichtig wie der, sich unab hän giger zu halten und im Konflikt zwischen Qualität und Dokumentation keine Zu geständnisse zu machen. Die b isherige Redaktion hat zu oft Kompromisse zuge lassen, meint ab er, daß sie zu einem Zeitpunkt zurücktritt, zu dem die Lethargie des nun b ereits fast zehn Jahren währenden »deutschen Herb stes« üb erwunden
doi:10.11588/kb.1986.4.9993 fatcat:lzht4qj5yfektoobc5ysh5dgyi