Schuldenerlass – quo vadis? Anreizmechanismen für eine nachhaltige Schuldensituation in Entwicklungsländern?

Stefan Hohberger
2010 Law and Politics in Africa, Asia, Latin America  
Problemstellung "Debt relief has become the feel-good economic policy of the new millennium." 1 So kommentiert Easterly die Entwicklungen in der Politik zum Thema "Schuldenerlass für Entwicklungsländer". Die Frage nach einem Schuldenerlass für hoch verschuldete Länder ist ein vieldiskutiertes Thema und keine Neuheit auf der politischen Agenda. Bereits seit Ende der 1980er Jahre wurde mit Hilfe verschiedener Entschuldungsprogramme versucht, die externe Schuldenlast auf ein nachhaltiges Niveau zu
more » ... hhaltiges Niveau zu senken. Eine Verringerung der Schulden -so die Hoffnung der Industrieländer -verbessere die finanzielle Situation der Schuldnerländer, führe zu vermehrten Investitionen sowie höheren öffentlichen Ausgaben und sei ein Instrument, die wirtschaftliche Entwicklung in den am wenigsten entwickelten Ländern anzukurbeln. Trotz zahlreicher Teilschuldenerlasse wurde in den Jahren 1996 bzw. 1999 durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die HIPC-Initiative 2 ins Leben gerufen, bei der erstmals auch die multilateralen Finanzinstitutionen miteinbezogen wurden. Im Jahr 2005 wurde von den G8-Staaten der nächste Schuldenerlass beschlossen. Dieser Multilaterale Schuldenerlass (MDRI) 3 sieht teilweise sogar eine 100prozentige Streichung gegenüber den großen multilateralen Gläubigerinstitutionen vor. Innerhalb beider Entschuldungsinitiativen wurden bisher 33 der ärmsten Länder Schulden in Höhe von etwa 170 Mrd. USD erlassen. 4 Die Tatsache, dass nach knapp zwei Jahrzehnten des Schulden-bzw. Teilschuldenerlasses weiterhin neue Initiativen für hoch verschuldete arme Länder gegründet werden, lässt Zweifel daran aufkommen, ob die erhofften positiven Effekte und gesteckten Ziele eines Schuldenerlasses -Wirtschaftswachstum, Armutsreduzierung und bessere Regierungsführung -überhaupt erreicht werden können. * Stefan Hohberger, Diplom-Volkswirt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls VWL I der Universität Bayreuth.
doi:10.5771/0506-7286-2010-1-70 fatcat:equ3t5fzezg5fhorilqaciu7x4