Das Zauberbuch von Batipuh (met platen)

J. Winkler
1954 Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde  
DAS ZAUBERBUCH VONBATIPUH I. Die Weltanschauung des heidnischen Batakvolkes auf Sumatrd. den Exkrementen, an den Fussabdrücken, an dem Schatten des Körpers, an den Kleidern, an den zum Segen oder zum Fluche gesprochenen oder geschriebenen Worten und am Namen des Menschen haftet tondi in besonderem Masze. Die Hauptlinge, die Reichen und Angesehenen, die mit zahlreichen Kindern, vor allem mit vielen Söhnen Gesegneten, die Zauberdoktoren sind reicher an tondi als andere Leute. Sie können von ihrem
more » ... ie können von ihrem Ueberfluss an andere etwas abgeben, ohne ihren eigenen Besitz zu vermindern, durch Berühren, Bespeien, Beschatten, durch Abgeben von ihrem Reiskorn, durch den Einfluss ihrer Person. Die Kraft des tondi ist also teilbar und übertragbar. Ebenso kann man Armut und Elend der von Unglück Heimgesuchten mit Hilfe der Magie auf seine Feinde übertragen, z.B. durch Reis von Witwen und Blinden: Die tondi von Verwandten beschirmen sich gegenseitig, der tondi der Mutter ist verantwortlich für den ihrer Kinder. Kinderlosigkeit ist ein Zeichen, dass die tondi der Eheleute nicht zu einander passen. Man gibt der Psyche eines Menschen eine "Belohnung" (upa ni tondi), -im Gegensatz zum "Opfer" für die Geister der Toten (pelean; die heidnischen Batak bezeichnen sich daher als "sipelebegu", Ahnenverehrer) -, um sie zufrieden zu stellen, z.B. bei Krankheit oder nach einer glücklich überstandenen Gefahr, indem man ihrem Besitzer unter Aufsagen altüberlieferter Sprüche einige Bissen seiner Lieblingsspeise in den Mund steekt. Doch kann der Datu auch dem tondi von Abwesenden eine Opfergabe darbringen, indem er ihn durch magisch wirkende Formeln zur Teilnahme an einem Opf ermahle herbeilockt. So lud man bei besonderen Anlassen den Siriga Mangaradja, den jeweiligen Priesterkönig, zur Teilnahme an Opferfesten ein. Krankheiten, körperliche Makel und Gebresten können von den damit behafteten Menschen abgehoben und auf geschnitzte Menschenfi'guren oder deren Ersatzmittel übertragen und dadurch beseitigt werden. "Götzenbilder" werden küristlich mit Lebenskraft versehen, indem der Datu am Kopf, an der Brust oder in der Magengrube (der "Lebergegend") angebrachte Vertiefungen mit "pupuk" füllt, einem Brei aus der Asche des Gehirns, des Herzens und der Leber eines eigens zur Gewinnung dieses besonders starken Zaubermittels ermordeten Kindes oder eines Menschen, der eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Ohne "pupuk" waren diese Holzfiguren kraft-und wertlos. Auf dieser animistischen Grundlage bauen sich die Vorstellungen auf, die dem Geisterkultus Gestalt und Inhalt geben. lm Tode kehrt der
doi:10.1163/22134379-90002370 fatcat:xshk4gvhwzf4dc3nkntwg4nktm