Chemotherapeutische Versuche beim experimentellen Fleckfieber des Meerschweinchens

R. Otto, P. Papamarku
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Trotzdem die in der menschlichen Therapie beim Fleckfieber bisher zur Anwendung gelangten Chemikalien sich alle mehr oder weniger als unwirksam erwiesen haben, schien es uns doch zweckmaßig, einige Präparate im Tierversuch auf ihre Wirksamkeit zu prufen. Ein derartiger Versuch war besonders geboten, nachdem sich die Injektion von Gehirnemulsion als ein fast absolut sicheres Infektionsverfahren beim experimentellen Fleckfieber erwiesen hatte (vgl. Otto und Papamarku'). Da Oaviiio und Oirard9)
more » ... Atoxyl, Salvarsan und Trypanblau nur negative Resultate gehabt haben, wählten wir zu unseren Versuchen das Optochin (Aethylhydrocuprein. hydrochl.) und das Trypaflavin aus. Ersteres, weil M e y e r 9 diesem Präparat, dessen spezifische Wirkung auf Pneumokokken experimentell und auch wohl klinisch erwiesen ist, eine günstige Wirkung auch bei der Fleckfiebererkrankung des Menschen zuschreibt (vgl. auch Meyer, Klink und Schlesies4). Allerdings berichtete Matthes5) auf dem Kongreß in Warschau, daß er die von Meyer angeratene Behandlung mit Optochin zwar ausgiebig versucht, aber damit nur kurze, wenn auch tiefe Remissionen der Temperatur erzielt habe. Sonst war das Präparat auf den Verlauf der Erkrankung ohne Einfluß. Noch ungünstiger äußerte sich auf dem gleichen Kongreß Nordt6). Jedenfalls sind uns gleich günstige Beobachtungen, wie die von Meyer, von keiner anderen Seite bekannt. Das Trypaflavin wurde von uns ausgewählt, weil sich dieser in vitro auch im Serum stark antiseptisch wirkende Farbstoff (Brown in g und Mitarbeiter u. a.) sowohl bei Trypanosomen-Infektionein (E h r lic h u. a.) als auch bei einzelnen bakteriellen Infektionen (N e ufeld und Schiemann) im Tierversuch bewährt hatte7). AufGrund der Arbeiten von Browning und seinen Mitarbeitern ist es zur Wundbehandlung im Kriege vielfach verwandt worden. Auf die sonstigen von verschiedenen Seiten gesammelten experimentellen und klinischen Erfahrungen soll hier nicht näher eingegangen werden1 14). Zu unseren Versuchen benutzten wir das neutrale Präparat. Auf die von Neufeld und Schiemann ausgesprochene Empfehlung hin haben wir in einigen Versuchen auch mit einer Kombination des Optochins mit dem Trypaflavin experimentiert. Eine solche ist (nach N e u feld und S chie mann) bereits von Russo bei Ratten, die mit Trypanosomen der Schlafkrankheit infiziert waren, versucht worden. Wie gleich hier erwähnt sein mag, wurde diese Kombination nur bei einigen Heilversuchen" angewandt (siehe unten), ohne daß wir mit ihr Erfolge erzielt haben. Abgesehen von Optochin und Trypaflavin sind einzelne Versuche noch mit Argoflavin, Sublimat und Chinin. hydrochi. angestellt worden. Unsere Versuche zerfallen in drei Gruppen. Bei den Versuchen der Gruppe A ist das Chemikal im Reagenzglas mit dem Virus (Gehirnemulsion) zusamonengemischt und dann das Gemisch den Tieren eingespritzt worden. In der Regel wurden die Gemische gleich nach der Mischung, in einigen Versuchen nach einstündigem Stehenlassen der Gemische, den Tieren injiziert; trotzdem uns bekannt war, daß bei gewissen Chemikalien nur mit einer langsamen Wirkung zu rechnen ist, haben wir doch aus später näher erörterten Gründen (vgl. Anm. S. 2) auf eine längere Einwirkung des Chemikals in vitro verzichtet.
doi:10.1055/s-0029-1192675 fatcat:yfqvj4kyfncsllbatimcn2duam