I. Zum früh- und hochmittelalterlichen Geleitsrecht

Ludolf Fiesel
1920 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
in Rostock i/M. I. Staatliches Paß-und Geleitswesen frühmittelalterlicher Reiche. War es die Mission der Kirche, geographische und ethnographische Grenzen zu überwinden, so ging beim Verfall des römischen Reiches im Gegensatz dazu das Bestreben staatlicher Gründungen auf einen Abschluß ihres Gebietes gegen andere aus. In den letzten Zeiten des Imperium bildeten an vielen Stellen wieder die Täler der großen Flüsse und Seen, wie in den Zeiten des Augustus, zugleich die Grenzen und
more » ... und Hauptverkehrslinien. Sie kamen dem vorwiegend strategischen Prinzip, eine deutlich sichtbare, mühelos kontrollierbare und schwer einnehmbare Beobachtungsund Operationsbasis zu besitzen, in weitestem Maße entgegen. Obwohl nun die mittelalterlichen Reiche unter Vernachlässigung dieser Vorteile, zugunsten anderer, umgekehrt sich an diesen Fahrstraßen zu beiden Seiten aufbauten und dadurch die ehemaligen Grenzen auflösten, blieb doch das Bestreben des Abschlusses nach außen in der früheren Kraft bestehen, wobei vorzugsweise Gebirge, Sümpfe und Öden als Ersatz gelten mußten für die künstlichen Schranken. Auf dieses Ziel möglichst vollständigen Abschlusses Zeitschrift für Reehtegeachlchte. XLI. Germ. Abt. 1 Brought to you by | University of Glasgow Library Authenticated Download Date | 6/29/15 9:31 PM 1 ) Vgl. W. Stein in Hoops Reallexikon unter "Verkehrswesen". 2 ) Dig. 48. 10 1. 27. 2: Qui se pro milite gessit vel illicitis insignibus usus est vel falso duplomate viae commeavit . . . .; Heumann-Seckeis Handwörterbuch gibt als Übersetzung dieser Stelle "Geleitsbrief, Paß". 3 ) M. G. Leg. IV p. 190ss., vgl. dazu L.M.Hartmann, Gesch. It. 2, 2 S. 147. 4 ) accipiant signo de anolo regis. 6 ) faciat iudex aut clusarius syngraphûs et mittat in cera et ponat sibi sigillum suum. Über die Siegelführung von Beamten vgl. K. Lehmann, N. A. 10. S. 504. Brought to you by | University of Glasgow Library Authenticated Download Date | 6/29/15 9:31 PM !) signum post hoc missûs nostri faciant eis epistola ad Romam ambulandi. 2 ) unusquisque iudex penam (für ponat) sollicitudinem per iudiciaria sua in partibus Tusciae, ut nullus homo possit sine volúntate regis vel sigillum aliquid transiré. 3 ) Cap. I ρ. 201, 17: sicut consuetudo fuit sigillum et epistola prendere et vias vel portas custodire, ita nunc sit factum. Für die Zeit um 850 vgl. unten S. 7 fi. 4 ) Codex Carol. 94. MG. ep. III, 1 p. 635, 27. Schon 1075 drohte er dem Könige von Frankreich mit dem Banne, falls er seinen Nuntien keine Sicherheit geben wollte; Reg. II 52a. 2 ) Reg. VI 17 a Annal. Saxo 317. J )
doi:10.7767/zrgga.1920.41.1.1 fatcat:i73llmhm55hujiin7h5udr3d24