Einleitung zum Themenheft Empirie und Modellierung

Anke Lüdeling, Humboldt-Universität Zu Berlin
2021
Unser diesjähriges Themenheft beschäftigt sich mit der Modellierung als einer Methode, die experimentelle Arbeit in der Linguistik unterstützen und weiterbringen kann. In den letzten Jahrzehnten sind in der Sprachwissenschaft viele empirische Methoden etabliert oder ausgebaut worden. Daten werden heute oft gezielter erhoben und transparenter zur Verfügung gestellt, Interpretationen besser abgesichert, Ergebnisse eher reproduzierbar. Die Fragestellungen für empirische Arbeiten kommen oft aus
more » ... retischen Modellen und die Ergebnisse guter empirischer Arbeit wirken auf Theorien zurück. In vielen Theorien können Aussagen so formuliert werden, dass sie (jedenfalls im Prinzip) experimentell testbar sind. Die experimentelle Absicherung ist natürlich für viele linguistische Teilgebiete wie die Soziolinguistik, die Sprachwandelforschung, die Spracherwerbsforschung oder Gebiete, die sich mit der menschlichen Sprachverarbeitung befassen, fundamental, aber auch in Gebieten, die traditionell eher nicht experimentell gearbeitet haben wie der Grammatikforschung, setzen sich experimentelle Methoden durch. Mit Experimenten können dabei Erhebungen, psycholinguistische oder neurolinguistische Studien genauso gemeint sein wie Bresnan, erscheint und viele, viele andere). In vielen experimentellen Ansätzen geht es darum, Korrelationen zwischen kovariierenden Variablen zu etablieren oder Muster in (meist hochdimensionalen Räumen) zu finden. Dabei müssen statistische Modelle angewendet werden, da es oft nicht möglich ist, alle Daten, die man bräuchte, wirklich zu erheben, alle Zusammenhänge zu verstehen oder alle Abhängigkeiten vorherzusehen. Die drei Artikel in diesem Themenheft beschäftigen sich daher mit der Frage, wie experimentelle Methoden und Modellierung zusammenwirken, um linguistische Fragestellungen neu zu adressieren oder ganz neue Fragen zu stellen. Alle drei Artikel sind dabei so konzipiert, dass sie nicht allein eigene neue Experimente vorstellen, sondern dass sie vielmehr die Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Methode mitreflektieren. Sie zeigen, welche Fragestellungen mit der
doi:10.18452/22513 fatcat:ekkutk5w6vgn7mphtae3kdqezu