Philologica Jassyensia

Jürgen Kristophson
2012 An VIII, Nr   unpublished
Um nicht immer an der Balkanität zu zweifeln, soll hier der Versuch gemacht werden, Einblicke in balkanisches Sprachleben anhand einiger ungewöhnlicher Wörter zu gewinnen. Damit ist angedeutet, was unter "seltsamen Wörtern" zu verstehen ist. Es handelt sich um Wörter, die nicht nur selten sind, sondern bei denen man zweifeln kann, ob sie real existieren. Akzeptieren die Sprachteilnehmer solche Wörter oder hat man es mit "Ghost words" zu tun? Die Quelle für diese Wörter bildet ein Corpus von
more » ... ein Corpus von Handschriften eines inhaltlich gleichen Textes aus dem 16.-17. Jahrhundert. Der Text, um den es hier geht, ist eine "balkanische" Spätredaktion des Alexanderromans. Diese Rezension (recensio ζ) hängt von der recensio ε ab, wurde aber umgearbeitet. Wahrscheinlich war sie in griechischer Sprache verfaßt, ist aber nicht erhalten. Diese nicht erhaltene Urfassung wurde ins (Serbisch)-kirchenslavische übersetzt, aber auch diese Übersetzung liegt nur in zahlreichen Handschriften vor, die durch die südliche Slavia, also Serbien, Bulgarien und sogar nach Westen bis ins bosnische und dalmatinische Milieu wanderten, wozu noch russifizierte Fassungen im weitesten Sinne kommen. Viele dieser Handschriften sind ediert. Natürliche fehlen auch nicht Übersetzungen ins Rumänische. Dazu gibt es volksgriechische Texte, die erstaunlicherweise ebenso aus einer slavischen Vorlage übersetzt wurden. Da also der Anlaß für die seltsamen Wörter eine Übersetzung darstellt, bietet sich ein slavischer Text zur Interpretation dieser interessierenden Wörter an. Allerdings erhebt sich sofort die Frage, welcher slavische Text? Im Grunde muß zunächst philologische Arbeit, Textkritik unternommen werden, bevor etwas über die Wörter ausgesagt werden kann. So müssen zunächst mögliche Übersetzungsfehler ausgeschlossen werden, dann sollten die Wörter interpretiert werden, eventuell etymologisiert werden und letztlich geprüft werden, ob es sie überhaupt möglich sind. Einschönes Beispiel für diese Problematik gibt eine Stelle ab, die gleichzeitig durch einen Übersetzungsfehler den Weg der Übersetzung, also Slavisch ins Griechische beweist, anderseits auch die slavische Lesart sichert, aber ebenso den Wert der griechischen Handschrift angibt. An dieser Stelle wird berichtet, daß die Israeliten durch das Schwarze Meer ziehen (Μαύρη θάλασσα (sic) F(L .222) K(Mb .265)). In einigen griechischen Handschriften ist dieses korrigiert zu Ἐρυθρὰ θάλασσα (= Rotes Meer) E(L .223), V(Ma .65), J(I .46), was ja sachlich richtig ist. Wie aber kam der Scheiber zu "Μαύρη θάλασσα"? Ein Blick in den slavischen Text lehrt, der Übersetzer hat dort "č´rmnoe more" (MJ  Universität Hamburg.
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