Säkularisierung als formbildende Kraft. Ein Interpretationsansatz für Comics aus der Vorgeschichte ihres Zeichenrepertoires [chapter]

Werner Busch
2011
Ein Interpreta tionsa nsa tz für Comics a us der Vorgeschichte ihres Zeichenrepertoires 1. Fragestellung Zu Recht ist gera de von den Autoren des Ba ndes "Comics und Reli gion" da ra uf hingewiesen worden, da ß ma n in Comicserien vergeb lich na ch religiösen Zita ten oder einer direkten Ausein a ndersetzung mit den verf a ßten Religionen sucht. 1 Um Anstoß zu vermeiden, ist bek a nntlich von Seiten der Comic-Hersteller explizit a uf der a rtige Anspielungen verzichtet worden. 2 So ist der
more » ... historiker, der sich, wenn er sich nicht mit imma nenter Beschreibung zufrieden gibt, ge meinhin um die Ableitung von Bildvorstellungen bemüht, bei der Su che na ch etwa igen direkten religiösen Vorbildern im Comic Strip mit seinem L a tein schnell a m Ende. Da ß die Superfiguren eine gewisse christologische Erlöserfunktion oder -form ha ben oder ha ben können, ist noch kein Beleg für den Zusa mmenha ng der Bilderwelten der Co mics und der Religionen. Der Na chweis, da ß Comics im seelischen H a ush a lt der Hera nwa chsenden Mythosfunktion übernehmen kön nen, 3 da rf da her vorläufig bei der Fra ge na ch der Herkunft des Bild vok a bul a rs der Comics a ußer a cht gela ssen werden. Es ka nn sich bei der zu klärenden Fra ge jedoch nicht um eine der rein semiologischen Untersuchungen ha ndeln, wie sie in letzter Zeit nicht selten vorgenom men werden, 4 die da s Zeichenvoka bula r der Comics a ufschlüsseln und es zwa r in seiner jeweiligen gesellscha ftlichen Gebundenheit sehen, zumeist jedoch nicht reflektieren, da ß der Vorga ng der Zeichenwerdung ein komplex historischer ist. Die Fra ge na ch der Herkunft des Comic-Zeichenrepertoires ist in verschiedener Hinsicht wichtig. Wenn sich etwa hera usstellen sollte, d a ß trotz fehlender direkter Religionszita te da s Vokabular ursprüng lich religiös ist, sich die religiöse Bedeutung der Zeichen nur verflüch tigt h a t, dann wäre es immerhin denkbar, d a ß ihre religiöse Potenz reaktiviert werden könnte. Da ferner die Vermutung geäußert wur de, da s Geschehen im Comic sei eigentlich nichts a nderes a ls säkula ri siertes Heilsgeschehen, a uf die Bedürfnisse des heutigen Norm a lver br a uchers zugeschnitten, 5 soll gefra gt werden, wie sich in der neueren Originalveröffentlichung in: Wermke, Jutta (Hrsg.): Kerygma in Comic-Form,
doi:10.11588/artdok.00001709 fatcat:q6e5blssjvgjhc2a23gjtss67e