Discussion Paper Der Friedensprozeß im Nahen Osten und die Rolle der Europäischen Union Ursachen der Krise und Schritte zu ihrer Überwindung

Avi Primor, Avi Primor, Avi Primor
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Europäischen Gemeinschaft sowie gleichzeitig beim Belgischen König und beim Luxemburgischen Großherzog nach Brüssel wechselte. Während seiner Tätigkeit als Vizepräsident der Hebräischen Universität Jerusalem (1991 bis 1993) gründete Avi Primor u.a. das Institut für Europäische Studien (seit 1995 Helmut Kohl Institut). Neben vielen anderen Auszeichnungen und Würdigungen erhielt er im Mai 1998 für sein "Engagement im Verhältnis Israel -Deutschland -Europa" den Kulturpreis Europa, eine
more » ... a, eine Auszeichnung zur Förderung des europäischen Gedankens. 3 Avi Primor Der Friedensprozeß im Nahen Osten und die Rolle der Europäischen Union Die Frage, was die Europäische Union, was Europa überhaupt im Nahen Osten tun kann, kann man nur dann beantworten, wenn man versucht zu verstehen, was sich heute im Nahen Osten abspielt und in welcher Situation sich die Krise im Nahen Osten befindet. Man spricht überall von der Krise des Friedensprozesses, auch in Israel. Viele sagen sogar, daß es im Jahr 1998 überhaupt keinen Friedensprozeß mehr gibt. Wenn also vielleicht sogar wieder Krieg ausbricht, muß man sich fragen, was kann Europa dann überhaupt tun? Wir müssen zunächst die Lage des Friedensprozesses erörtern. Was ist eigentlich die Ursache, die Wurzel des Konfliktes im Nahen Osten? Wenn man die Frage nach der Lösung eines Problems stellt, muß man sich zuerst fragen, woher sie überhaupt stammt. Normalerweise antwortet jeder, die Ursache der Krise ist das palästinensische Problem. Das wird jeder sagen, auch in Israel. Das stimmt aber nicht. Natürlich ist das palästinensische Problem das schwierigste und schmerzhafteste Problem. Es ist ein Problem, das man lösen muß, um Frieden zu haben. Wenn wir einen Frieden mit unseren Nachbarstaaten schließen, ohne dieses Problem vorher zu lösen, dann wird dieser Frieden lediglich oberflächlich bzw. vorübergehend bleiben. Das palästinensische Problem ist nicht nur ein schmerzhaftes Problem, es ist das Problem einer Bevölkerung, die seit Jahrzehnten in Elend, ohne Würde und ohne Heimat lebt. Mit so einer Situation kann man keinen Frieden haben, das ist selbstverständlich. Die Ursache der Krise ist das Problem jedoch nicht. Die Krise hat nicht damit begonnen.
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