Owing Christopher Columbus a mission to Mars

Sebastian Eberth
2019 unpublished
Wenn man diese Arbeit auf eine – sicherlich stark verkürzende – Botschaft herunterbrechen möchte, dann wäre es wohl diese: Die Implementierung von Raumfahrtprogrammen, und insbesondere von bemannter, explorativer Raumfahrt, erfordert weit mehr als die Bewältigung von Herausforderungen rein technologischer Natur. Denn wie jede (Super-)Technologie ist auch Raumfahrt tief in sozialpolitische und -kulturelle Prozesse integriert. Die vorliegende Arbeit setzt sich nun anhand einer ausführlichen
more » ... ausführlichen Analyse von im US amerikanischen Politikbetrieb aktivierten Narrative eben anhand des Beispiels Raumfahrt mit dem Prozess der Verflechtung des Technologischen mit des Sozialen auseinander. Genutzt wird hierzu das Konzept des "Sociotechnical Imaginary", mithilfe dessen die narrative "Einbettung" von Technologie in soziokulturelle Kontexte (nach Jasanoff & Kim, 2015) untersucht und nachvollzogen werden kann. Zudem werden auch theoretische Grundlagen aus den Amerika-Studien herangezogen und in dem Zuge auch postkolonialistische Aspekte beleuchtet. In der Analyse von fünf Reden fünf verschiedener US-Präsidenten wurden grundsätzlich vor allem national ausgerichtete Narrative identifiziert, innerhalb derer das Vorhandensein einer sehr spezifischen und zeitlosen US-Kultur angenommen wird, oftmals getragen von "klassischen" amerikanischen Mythen und amerikanischer Folklore. Die Analyse zeigt auf, wie kongruent die in den Reden gezeichneten Bilder der US-Kultur über Jahrzehnte bleiben. Über den gesamten Zeitraum kann so die institutionell kommunizierte Version "der" amerikanischen Kultur als qualitative Grundlage für Raumfahrt und damit für US-Politik dienen. Das narrative Fundament, bestehend u.a. aus Einheit, Exzeptionalität, Geschichte, Schicksal, Hierarchie und einer in sich logischen Zeitschiene, erlaubt es politischen Akteuren, ihre Handlungen/Raumfahrt im Grunde über Emotion zu rationalisieren, zu legitimieren, im Laufe der Zeit zu naturalisieren und letztendlich aus gesamtgesellschaftlicher Sicht quasi zum unangreifbaren Selb [...]
doi:10.25365/thesis.57697 fatcat:i3rzsglkd5hedaxccftcwtzmbq