Ralf Adelmann, Andreas Fahr, Ines Katenhusen, Nic Leonhardt, Dimitri Liebsch, Stefanie Schneider (Hg.): Visual Culture Revisited. German and American Perspectives on Visual Culture(s)

Hans J. Wulff
2008
Hg.): Visual Culture Revisited. German and American Perspectives on Visual Culture(s) Köln: von Halem 2007, 314 S., ISBN 978-3-931606-30-5, € 28,- Wer sich heute darüber wundern will, dass ein sinnvolles Konzept von ,Kultur' nicht auf Objekte und Kunstgegenstände einzuschränken ist, dass sie sich nicht allein auf die Sprache als innergesellschaftlichcs Kommunikationsmedium begrenzen lässt und dass sie nicht die Augen davor verschließen darf, dass Bilder im weitesten Sinne eines der mächtigsten
more » ... es der mächtigsten Mittel der Kommunikation, des Lernens und Lehrens sowie des individuellen Behaltens wie auch des kulturellen Gedächtnisses sind: Der mag wirklich Eulen nach Athen tragen. Vorliegender Band widmet sich der Formenvielfalt der visuellen Kommunikation auf ganzer Breite. Er geht zurück auf eine Tagung, die 2005 am John-F.-Kennedy-Tnstitut der FU Berlin stattfand. Das "revisited" im Titel scheint darauf hinzudeuten, dass Revisionen nötig seien -nein, sie sind es nicht, der Band bestätigt es: Eine Unzahl von Themen, in die visuelle Mittel eingebunden sind, sind zu bearbeiten. Die Artikel des Bandes zeigen, dass der vielbesprochene "Pictorial Turn" eher die wissenschaftliche Beschäftigung mit kultureller Kommunikation betrifft als diese selbst. Und auch die Frage, ob die visuellen Mittel der Kultur ähnlich unterschiedlich seien wie die Sprachen, wie der Titel suggeriert, scheint einer Rhetorik geschuldet zu sein, die eine bildwissenschaftliche Forschung begründen soll, welche doch so evident ist und an der in einer Vielzahl von Wissenschaften massiv gearbeitet wird. Gleichwohl fehlt ein theoretisches Zentrum. Dass eine kognitive und semiotische Theorie der visuellen Kultur aussteht, macht der vorliegende Band schmerzlich bewusst. Ein Artikel wie Jessica Bubcns "The Psychedelic Sewing Room" ist sehr auffallend, weil sie hier vom Beispiel auf viel allgemeinere Kategorien der Herausbildung kultureller Kategorien zu schließen sucht. Am Beispiel zweier Serien aus den l960ern und 1970ern (darunter/ Dream of'Jeannie [1965][1966][1967][1968][1969][1970]) gilt es zu zeigen, dass die Bildgestaltung der Serien an die Stilistiken des Cartoons respektive des Comic-Strips angelehnt ist, was sich aber wiederum nur als eine der Erscheinungsweisen eines allgemeineren Prinzips der Iteration (Wiederholung), der Hybridisierung der mit dem Fernsehbild verbundenen Vorstellung einer fotografisch realistischen Repräsentation und der Herstellung von (Selbst-)Reflexivität erweist. Im Rahmen einer ,.Metaphysik des Pop" sucht Buben die Überlegungen zu generalisieren, dass Identität einerseits in der Pop-Kultur selbst als iterative Kategorie gefasst sei, dass das Beispiel für die Möglichkeiten einer semiotischen Synästhesie andererseits stehe.
doi:10.17192/ep2008.2.707 fatcat:bodnptzminbnlopgl42wjsnzgq