Kořalka, Jiří: Tschechen im Habsburgerreich und in Europa 1815–1914. Sozialgeschichtliche Zusammenhänge der neuzeitlichen Nationbildung und der Nationalitätenfrage in den böhmischen Ländern

Gottfried Schramm
2016
324 S. (Schrif tenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa-Instituts XVIII). Zwei hervorragende Kenner der böhmischen Geschichte im Kontext des letzten Jahrhunderts der Donaumonarchie, beide gleich alt und durch die Folgen des Jahres 1968 zunächst aus der beruflichen Bahn geworfen, sind in Österreich zu ihrem 60. Geburtstag geehrt worden: Jan Havránek durch eine Festschrift, Jiří Kořalka durch einen Sammelband, der sechs seiner Beiträge in überarbeiteten Fassungen verei nigt. Da der Band
more » ... i nigt. Da der Band mit einem Lebensbild (gezeichnet von Arnold Suppan) beginnt und mit einem Schriftenverzeichnis des Verfassers endet, vermag der Leser leicht nachzuvollziehen, unter welchen Voraussetzungen sich dessen besonderes Interesse aus gebildet hat und unter welchen zeitgeschichtlichen Bedingungen er es in Forschung umsetzte. Daß er in einer nordmährischen Stadt mit deutscher Mehrheit, aber als Sohn eines tschechischen Lehrers aufwuchs, hat ihn von Kindheit an dazu erzogen, das Schicksal seines eigenen Volkes in engster Verstrickung mit den Deutschen zu begrei fen. Weil er über die deutsch-tschechischen Beziehungen eine Monographie vorberei^ tet, hat er diesen wichtigen Strang seiner Lebensarbeit im vorliegenden Band nicht thematisiert. Vielmehr kreisen die hier zusammengestellten Studien um die Frage, wie sich die Tschechen unter den politischen und sozialen Bedingungen, die sich seit 1848 herausbildeten, entfalten konnten. Daß dabei die Deutschen auf Schritt und Tritt her einspielen, versteht sich beinahe von selbst. Für das Verständnis ist wichtig, daß mehr als die Hälfte der Beiträge für ausländische Leser oder Hörer konzipiert wurde: meist entstanden schon die Urfassungen auf deutsch oder englisch.
doi:10.18447/boz-1993-1573 fatcat:v4zbg6kitveufkf4i4lj2hxcju