Chancen und Herausforderungen von Konzepttransfers aus den Neurowissenschaften für die geistes- und sozialwissenschaftliche Emotionsforschung

Gary S. Schaal, Antonia Schmid
2018 Zeitschrift für Politik  
Das wissenschaftliche Denken des Abendlandes ist spätestens seit der Antike durch den strikt hierarchisch verstandenen Dualismus von Ratio und Emotion 1 geprägt. 2 Doch »there has been a revolution in the study of emotion« 3 . Hintergrund sind maßgeblich technische Innovationen in den Neurowissenschaften -v.a. bei den bildgebenden Verfahren -, die es ermöglichen, Denkprozesse im menschlichen Gehirn in einer Differenziertheit nachzuvollziehen, 4 die eine strikte Trennung von Emotion und Ratio
more » ... motion und Ratio obsolet erscheinen lassen. 5 Inzwischen existiert in den Geistes-, Sozial-und Lebenswissenschaften ein abstrakter Konsens, dass eine solche Dichotomie nicht länger vertretbar ist und Gefühle ebenso rationale Anteile besitzen wie Vernunft emotionale. 6 1 Es existiert ein intensiver Diskurs über die Differenzierung von Emotionen, Gefühlen und Affekten (vgl. Gary S. Schaal / Rebekka Fleiner, »Politik der Gefühle« in: Karl-Rudolf Korte, (Hg.), Emotionen und Politik. Begründungen, Konzeptionen und Praxisfelder einer politikwissenschaftlichen Emotionsforschung, Baden-Baden 2015, S. 67-90). Diese Differenzierung ist für das vorliegende Erkenntnisinteresse jedoch nicht zentral. Deshalb wird zusammenfassend von Emotionen bzw., um Wiederholungen zu vermeiden, synonym von Gefühlen gesprochen. 2 Vgl. für eine Analyse der seltenen Ausnahmen in der Philosophiegeschichte Dominik Perler, Transformationen der Gefühle.
doi:10.5771/0044-3360-2018-1-60 fatcat:tdsxsbwyljaqjigaal6huxxkvm