Professorale Predigten und Traktate zum Nutzen der Landesherrschaft. Zu den gesellschaftspolitischen Vorstellungen von Theologen der Wiener Schule, insbesondere zum Gewaltverständnis [chapter]

Klaus Wolf
2021 Das Recht in die eigene Hand nehmen?  
Im Spätmittelalter wuchs nördlich der Alpen das Bewusstsein, dass Herrschaft wissenschaftlicher Unterstützung bedarf. Deshalb setzte im Spätmittelalter in diesem Raum eine Gründungswelle von Universitäten ein. Den Anfang machte im Heiligen Römischen Reich der Böhmische König Karl IV. mit Prag schon 1348, wobei seine Bildungsjahre in Paris mit dem Vorbild der Sorbonne sicher keine kleine Rolle spielten. Ihm folgte 1365 Erzherzog Rudolf IV. in Wien. Und schon 1386 kam es zur Gründung der
more » ... ät Heidelberg unter Kurfürst Ruprecht I. Damit hatten die drei mächtigsten Dynastien im Heiligen Römischen Reich, Luxemburger, Habsburger und Wittelsbacher, ihre je eigene Landesuniversität. Alle drei Dynastien wetteiferten auch um die Königskrone im Reich und stellten abwechselnd das Reichsoberhaupt im Spätmittelalter. Die latente Konkurrenz von Luxemburgern, Habsburgern und Wittelsbachern zeigte sich auch in ähnlichen organisatorischen Strukturen und Finanzierungsmodellen beispielsweise für die Versorgung der Professoren. Das Prager Allerheiligenkapitel und das Collegium Carolinum der Prager Universität hatten ihr Pendant im Allerheiligenkapitel zu Sankt Stephan in Wien samt Collegium ducale der Wiener Universität sowie im Heidelberger Heiliggeiststift samt Collegium artistarum der Heidelberger Universität. 1 Auch wetteiferte man um die besten Köpfe. So kam es beispielsweise zu einem 'brain drain' von Paris nach Wien und Heidelberg (genannt seien Heinrich von Langenstein und Marsilius von Inghen), als im Gefolge des Abendländischen Schismas viele deutschsprachige Theologen, die der I.
doi:10.5771/9783748924449-177 fatcat:egyjgwnzxjdofgzbcl5kif4rrq