Die Macht der Verbände und ihre Zukunft in der Europäischen Union

Eva Susanne Krappel
2010 unpublished
Das politische System Österreichs ist ohne Interessenverbände nicht zu erklären. Sowohl die gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen konkurrierenden Interessengruppen in der 1. Republik bis zur Konsenspolitik der 2. Republik (Sozialpartnerschaft als Schattenregierung) sind Phänomene einer spezifisch österreichischen Geschichte und ihres politischen Systems. Durch den Siegeszug der neoliberalen Ökonomie als globales System (seit den 90er Jahren) wurden nicht nur der Staat als
more » ... Steuerungsinstrument zurückgedrängt, sondern natürlich auch das System der Sozialpartnerschaft zunehmend geschwächt. Eine Entwicklungs- und Organisationsgeschichte der Verbände in Österreich ist als Konjukturkurve zu denken – beginnend mit wachsender Macht und steigendem Einfluss, bis hin zu Erstarrung und ihrer Machteinbuße nach der schwarz-blauen Wende im Jahr 2000. Sie soll nachgezeichnet und analysiert werden. Aus dieser Analyse (Organisationsform und Positionierung im Politischen System) werden status quo und Zukunftsperspektiven für österreichische Verbände im supranationalen Gebilde der EU abgeleitet. Die Effizienz und Effektivität bzw. die Zukunftsfähigkeit der Verbände wird mit den Methoden der systemischen Organisationentwicklung untersucht. Der Vergleich mit Unternehmen der Privatwirtschaft war mehrfach erhellend. Zum einen, weil der "neoliberale" Produktivitätsdruck auch auf einen "schlanken Staat" zielt, damit auch auf die Verbände zurückwirkt und neue Organisations- und Steuerungsformen fordert, die in Dynamik und Flexibilität den starren, meist bürokratischen Linienorganisationen "alter" Verbände überlegen sind, was Effizienz (in Prozessen und Abläufen) und Effektivität in der Wirkung betrifft. Zum anderen etabliert die Technostruktur des World Wide Web horizontale Informationswege, die hierarchische Aufbauorganisationen subversiv unterläuft. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind vor allem gesetzlich verankerte Körperschaften öffentlichen Rechts in Österreich wie die Arbeiterkammern (AK), die Wirtschafts- [...]
doi:10.25365/thesis.12303 fatcat:gu2juekx25eadnxxf6mijyulea