Die Enthärtung des Wassers nach dem Kalk-Soda- und nach dem Kalk- Natriumhydroxydverfahren

H. Noll
1918 Angewandte Chemie  
Mitteiluog aus dpm Staallichen Rygienlsrhen lnstitut Hamburg (Direktor Professor Lr. Dunbar). (Eingeg. 17./12. 1917.) Das Kalk-Sodaverfahren ist von den Ausfallungsverfahren, die fur die Enthartung des Wassers benutzt werden, das alteste, beliebteste und brauchbarste. Wahrend des Krieges ist es infolge Sodamangels vielfach durch das Kalk-Natriumhydroxydverfahren ersetzt worden. Bei beiden Verfahren muB man iiber die Zusammensetzung des Wassers genugend unterrichtet sein, um danaeh die fur
more » ... anaeh die fur Ausfallung der Hartebildner erforderlichen Chemilritlien berechnen zu konnen. Fiir manche Betriebe, bei denen Grundwasser benutzt werden, die in bezug auf ihre Zusammensetzung nur unwesentlichen Veriinderungen auegesetzt sind, liegen die Verhaltnisse in dieser Beziehung sehr einfach, da diesen Wassern auf Grund einer Analyse andauernd die erforderiichen Chemiknlien in der gleichen Menge zugesetzt werden konnen. Wesentlich schwieriger gestalten sich aber die Verhaltnisse, wenn FluBwasser oder auch Grundwiisser, welche von Fliissen beeinflul3t t werden konnen, Verwendung finden. In diesen Fallen werdcn die Wasser wegen ihrer wechselnden Beschaffenheit fortlaufend auf ihre Zusamniensetzung kontrolliert werden miissen. Dies wird sich dort gut ermoglichen lassen, wo ein geschulter Cbcmiker zur Verfiigung steht. 1st das aber nicht der Fall, so konnen den zustandigen Leitern von Enthartungsanlagen oft erheb!iche Schwierigkeiten erwachsen. Die von vielen Seiten gemachten Vorschlage, nach denen es auch Nichtchemikern ermoglicht sein soll, sich schnell iiber die erfordedichen Zusatze zu informieren, sind meistens noch so umstandlich, daI3 sie aus diesem Grunde vielfach keinen Anklang gefunden haben. Tnfo!ge dieser Verhiiltnisse habe ich es fur der Miihe wert gehalten, die Enthartung des Wassera nach den obengenannten Methoden noch einmal eingehend zu bearbeiten und Vorschriften dafiir zusammenzustellen, die schnell und sicher ausfuhrbar sind, und nach denen auch Personen arbeiten konnen, die dem in Frage stehenden Chemismus ferner stehen. Die Moglichkeit dazu bot sich rnit Hilfe des in letzterer Zeit sehr beliebt gewordenen B 1 a c h e r schen Verfnhrens, worauf ich spiiter noch eingehend zuruckkommen werde. I. D a s K a l k -S o d a v e r f a h r e n . Um daa Kalk-Sodaverfahren zur Ausfiihrung zu bringen, ist cs erforderlich, die Gesamtharte, die Carbonatharte, die Nichtcarbonatharte und die Magnesiahiirte des Wassers festzustellen. Die G e s a m t h ii r t e wird nach B 1 a c h e r rnit l/,o-n.Kaliumpalmitatlosung bestimmtl), und zwar fo1gendermaBen: 100 ccm Wasser werden mit 2 Tropfen einer wiisaerigen Methylorangelijsung 1 : 1000 versetzt und mit lIlo-n. Schwefelsaure oder Salzsaure neutralisiert" bis die gelbe Farbe in ein deutliches Rot umgeschlagen ist, und rd. 10 Minuten gekocht. Nach dem Abkiihlen wird 1 ccm einer 1% igen Phenolphthaleinlosung hinzugefiigt und darauf tropfenweise 1/,-n.Natronlauge, bis die Phenolphthaleinrotug deutlich erkennbar ist. Dann wird die schwache Rotfarbung durch einen Tmpfcn l/lo-n. Saure wieder beseitigt und sofort die Titration mit der Palmitatlijsung vorgenommen, wobei man bis zur deutlichen Rotfarbung titrieren muI3. Die vcrbrauchten Kubikzentimeter an Palmitatlosung, mit 2,8 multip!iziert, zeigen die Gesamtharte in deutschen Hiirkgraden an. An Stelle von Methylorange kann man auch den von B I a c h e r empfohlcnen Indicator Dimethylamido-1) Die Palmitatlosung naoh B I a c h e r wird in folgender Weise hergestellt: 25,63 g Palmitinsiiure werden in 250g Glycerin und etwe 400 ccm 90% igem Alkohol unter Erwarmen auf dem Waaserbade geliist. Hierauf setzt man Phenolphthalein hinzu, neutralimert mit alkoholischem Keli bis zur schwachen Rotfirbung und fiillt nach dem Erkalten mit 90% igem Alkohol zu 1 1 auf. -m e w . Cbem. 1918. AnhatxteU 0. Bd) m Nr. 3/A azobenzol (1 Tropfen einer 1% igen alkoholischen Lijsung) verwenden, aber erforderlich ist es nicht, da der Umschlag mit Methylorange sich in geniigender Weise kennzeichnet. Bei dieser Gelegenheit mochte ich noch bemerken, daB Z i n k und H o I 1 a n d t 2, darauf hingewiesen haben, daB eisen-und manganhaltige Wasser die Ergebnisse nach B 1 a c h e r beeinflussen sollen. Nach meinen Versuehen hieriiber kann ich ihnen darin nicht beipfiichten. So verbrauchten z. B. 100 ccm des hiesigen Leitungswassers nach B 1 a c h e r 5,5 ccm ~/"-n.Palmitatliisung. Zwei weitere Proben, von denen der einen 3-4 Tropfen einer 10yoigen Eisenehloridlosung und der anderen 50 mg F e m u l f a t zugesetzt wurden, verbrauchten 5,4 ccm 1/"-n.Palmitat. Ebenfalls trat bei einem Parallelversuch, bei dem an Stellc von Leitungswasser destilliertes Wasser zur Anwendung gekommen war, sowohl bei der Probe ohnc E'sen, a1s auch bei den eisenhaltigen Proben nach dem Zusatz von 0,l ccin l/lo-n. Palmitatlijsung eine deutliche Rotfarbung ein. Die Bildung von Eisenseifen, die die Autoren vermuten, kann wohl bei der direkten Titration von eiscnhaltigen Wiissern rnit Seifenliisung eintreten, aber nicht, wenn das Eisen oder das Mangaii durch Natronlauge zur Ausfallung gekommen und als unliisliche Oxyde in der Fiiissigkeit vorhanden sind. Der Umschlag bei den Titrationen ist naturlich infolge der Niederschliige zunachst nicht scharf, er tritt aber bei der in der Regel sehr schnell erfolgendcn Klarung der Flussigkeiten sehr deutlich hervor. Den Titer der Palmitatlijsung ermittelt man zweckmhBig mit einer Chlorbariumlosung von 0,523 g im Liter, wie sie auch bei der C 1 a r k schen Seifenmethode zur Anwendung komnit. In Tabelle I sind die Faktoren zusammengestellt, die fur die Berechnung der Harte in Frage kommen, falls die Palmitatlijsung zu stark oder zu schwach sein sollte.
doi:10.1002/ange.19180310301 fatcat:4atcjdkcijb6rkcicwlw6v2cna