Wallensteins Vertrag mit dem Kaiser im Jahre 1632

Wolfgang Michael
1902 Historische Zeitschrift  
Nicht mit der viel behandelten und doch immer noch um strittenen Frage der Schuld Wallensteins haben es die folgenden Untersuchungen zu thun. Aber wer die Rätsel lösen will, welche dieses größte Problem aus dem Leben des gewaltigen M annes umgeben, wird auch an demjenigen Momente dieses Lebens nicht achtlos vorübergehen dürfen, der ihn uns erblicken läßt zwar nicht eben auf dem Gipfel des Erfolges, aber auf der Höhe des Strebens. Es ist der Augenblick, da er, der Retter aus furcht barer Not,
more » ... Kaiser eine Waffe geschmiedet hat, die doch nur sein Arm zu schwingen vermag. Er hat ihm auf seinen Namen ein Heer geworben. Fast anflehen muß ihn Ferdinand, dieses Heer auch dauernd zu führen. Der Feldherr läßt sich endlich bereit finden. I n der Art aber, wie er diesen Moment zögernd hat herankommen lassen, wie er die Verlegenheit seines kaiserlichen Herrn zum eigenen Vorteil auszubeuten versteht, erkennen wir erst die volle Größe seines Egoismus. Gegenüber der völligen Unklarheit, welche das letzte Er gebnis der seit einigen Jahrzehnten angestellten Untersuchungen über Wallensteins Vertrag mit dem Kaiser zu sein scheint, soll im folgenden der Versuch gemacht werden, noch einmal das be kannte M aterial in möglichster Vollständigkeit zusammenzuhalten und mit Heranziehung einiger bisher unbekannter oder nicht ge nügend verwerteter Quellen festzustellen, wie weit es uns heute noch gelingen kann, den In h alt jenes Vertrages zu erschließen. Historische Zeitschrift (39b. 88) N. R. Bd. LII. 25 Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM *) Hirn, Archivalische Beiträge zu "Wallenstein" (M itt. des In st, für österr. Gesch. 5. Ergänzungsbd. 1. Heft S . 143-144). s) Nach dem Berichte des N untius Rocci vom 1. M ai 1632. V ati kanisches Archiv. Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM l) Bericht Anstruthers vom 5./15. A pril 1632. R ecord Office. 8) W ir dürfen dies um so unbedenklicher dem Berichte des N untius Rocci vom 8. M ai 1632 (Vatikanisches Archiv) entnehmen, als an der Be stechlichkeit Eggenbergs schon vorher kein Zweifel bestand. Vgl. Gindely, Waldsteins Vertrag mit dem Kaiser (Abhandl. der Böhm. Gesellsch. der Miss. VH. Folge 3. Bd.) S . 22. S) Berichte Roccis vom 21. April und 8. M ai 1632. Vatikanisches Archiv. 4) Vgl. Jrm er, Die Verhandlungen Schwedens mit Wallenstein und dem Kaiser I. S . L X X IX . Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM *) Lösung der Wallenstein-Frage S . 131. S) A. Gindely, Waldsteins Vertrag mit dem Kaiser bei der Über nahme des zweiten Generalats (Abhandl. der Kgl. Böhm. Gesellsch. der Miss. V II. F . 3. Bd.). s) Schebek, Die Kapitulation Wallensteins (Osterr.-ungar. Revue N. F . Bd. 11, 1891). 4) Freilich ist neuerdings P a u l Schweizer (Die W allenstein-Frage in der Geschichte und im D ram a, Zürich 1899) wieder auf die Khevenhiller schen Artikel zurückgekommen. Doch stimme ich, so verdienstlich die von neuem begonnene Untersuchung ist, mit seiner Beurteilung der verschiedenen Texte und manchen Einzelergebnissen nicht überein. Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/28/18 11:05 AM E u rop aeu m (erschienen zuerst 1633) abgedruckt ist. Ich lasse ihn zunächst im W ortlaute folgen : "D ie Puncta so bey conferirung deß Generalats verfasset worden, waren nachfolgende. 1. S o lte er Hertzog von Friedland nit allein der Röm. K. M . sondern auch deß gantzen Hauses Oesterreich und der Cron Spanien Generalissimus seyn und verbleiben. 2. S o lte jhme das angenommene Generalat in absolutissima forma conferiret seyn. 3. S o llen I . K. M . sich nit Persöhnlich bey der Armada befinden, vielweniger das Commando darüber haben, sondern wann das Königreich Böheimb recuperirt und wider erobert, solte der Kön. zu P ra g residiren, unnd D on Balthasar mit 1 2 0 0 0 M ann als einer Salvaguardi in Böheimb so lang, biß ein Universal Frieden im Reich Teutscher Nation stabiliret würde, auffwarten: D ann er, Hertzog zu Friedland befinde, daß die Böhm en einen wesentlichen Regenten und die Person jhres K önigs im Land haben müßten. S o lch e« Gestalt sehe auch der Kayser und sein General desto mehr vor rebelliren versichert. 4. S o lte jhn Kayserl. Assecuration auff ein Oesterreichisch Erbland geschehen in optima forma wegen ordinari Rccompens. 5. Von den Occupierten Ländern solte er haben das höchste R egal im Röm . Reich, als ein extraordinari Recompens. 6. D ie Confiscation im Reich solte jhm in absolutissima forma Heimbgestell et seyn, dergestalt, daß weder der Kayserliche Hoffrath, unnd Hoffkammer, noch auch das Cammergericht zu S peyer einige Interesse darbey prätendiren, oder darinnen, es were gleich generaliter oder particulariter einige Decision zu geben, oder sonst Eintrag zu thun macht haben solte. 7. D aß er Hertzog zu Friedland, wie in Confiscation, also auch in Perdonsachen seines gefallens zu disponiren haben solte. D a auch einem oder dem andern ein Salvus conductus und Perbon am Kays. Hoff ertheilet würde, daß solches ohne seyn Hertzogen zu Friedland darüber ertheilte Confirmation keine krafft haben solte, auch nur ad fidem & famam und nicht ad bona sich erstrecken. 8. Der R eal Perbon aber solte einig und allein bey jhne, Hertzogen von Friedland, gesuchet und von jhme ertheilt werden.
doi:10.1524/hzhz.1902.88.jg.385 fatcat:t6nw7xxtcjetroceu3zo2ckxmy