Vernetzte Wissensräume. Zur Bedeutung von Orten in einer vernetzten Welt

Martina Hessler
2003 Technikgeschichte  
Überblick Die Gleichzeitigkeit zweier Entwicklungen, nämlich die zunehmende Verbreitung von Informations-und Kommunikationstechnologien sowie die Tendenz, dass Orte neue, ja steigende Bedeutung erhalten, wird häufig als Paradox bezeichnet. Nicht zuletzt für Wissen und wissensintensive Technologien wird konstatiert, diese seien nicht auf materielle und geographische Standortfaktoren angewiesen. Vor allem aufgrund der neuen IuK-Technologien würde Wissen gewissermaßen ortlos. Dieser Annahme der
more » ... lösung des Raumes steht allerdings die Ballung von wissenschaftlichen Instituten und Unternehmen entgegen. In diesem Aufsatz wird argumentiert, dass es sich bei diesen beiden Tendenzen nicht um eine paradoxale, sondern vielmehr um eine komplementäre Entwicklung handelt. Denn IuK-Technologien bieten zwar ungeahnte Möglichkeiten des raumungebundenen Wissenszugangs, der Wissensspeicherung und auch der -vermittlung, sie stoßen jedoch im Hinblick auf die Wissenserzeugung, auf Innovationen und Kreativität an Grenzen. Letzteres verweist auf die Bedeutung konkreter materieller Orte. Diese beiden häufig als gegenläufig bezeichneten Entwicklungen sind allerdings nicht nur komplementär, indem sie sich in Bezug auf die Wissensformen ergänzen, sie sind zugleich durch eine gemeinsame Organisationslogik verbunden: die des Netzes. Im zweiten Teil des Aufsatzes wird die Entstehung der Netzmetapher untersucht, deren Wirkungsmächtigkeit sich auch in der derzeit favorisierten Organisation von Wissens-und Innovationsprozessen gemäß einem Netzmodell zeigt. Die Netzmetapher und ihre Wirkungsmächtigkeit sind allerdings nicht, wie vielfach kolportiert, auf das Internet zurückzuführen, sondern sie speisen sich vielmehr aus verschiedensten intellektuellen, gesellschaftlichen und technischen Quellen. Abstract Many contemporary theories claim the death of distance. They argue that information and communication technologies allow people to interact despite distance and physical absence. In particular, economic processes and science based industries are regarded as independent of geographical factors. However, at the same time a spatial concentration of scientific institutes and
doi:10.5771/0040-117x-2003-4-235 fatcat:rf6vkny4trgxtkeirwyvbewavm