Geschlechterverhältnisse in Ostmitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Soziale Praxis und Konstruktion von Geschlechterbildern

Dietlind Hüchtker
2016
Die unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Claudia Kraft (Erfurt) organisierte Jahrestagung 2005 des Collegium Carolinum "Geschlechterverhältnisse in Ostmitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Soziale Praxis und Konstruktionen von Geschlechterbildern" (Bad Wiessee 17.-20.11.2005) steht in der Tradition der vom Deutschen Historischen Institut in Warschau veranstalteten Konferenzen zur Geschlechtergeschichte in Ostmitteleuropa, die das 19. Jahrhundert und die Zwischenkriegszeit abgedeckt
more » ... riegszeit abgedeckt haben. 1 Die zu der Tagung geladenen Referentinnen, Moderatorinnen und Diskutant-Innen vereinten drei verschiedene Expertisen: die Geschlechterforschung, die Forschungen zum Staatssozialismus sowie zu Ostmitteleuropa. Dies erweiterte die Chancen kritischer Herangehensweisen, "wie Susan Zimmermann (Budapest) in ihrem Einführungsvortrag erörterte. Zimmermann sieht im Zusammenkommen von mit marginalisierten Gruppen bzw. Regionen befassten Teildisziplinen -der Geschlechtergeschichte und der Geschichte Osteuropas -eine Potenzierung der Möglichkeiten, Universalismen, Normsetzungen, Blindstellen und Exklusionen zu dekonstruieren, die ihres Erachtens gezielt genutzt werden sollte. In diesem Sinne wird der folgende Bericht zwei der Diskussionsstränge der Tagung vorstellen, um besagtes kritisches Potential auszuloten. Notwendigerweise geschieht dies aus der subjektiven Wahrnehmung der Verfasserin und ebenso notwendigerweise werden die Vorträge entlang dieser Diskussionsstränge vorgestellt, die Auswahl erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch darauf, die Beiträge umfassend zu besprechen. Eines der zentralen Themen der Tagung war die Frage nach Emanzipationsmodellen und -wegen. Immer wieder wurde über den Zusammenhang zwischen einer ubiquitären Ideologie der Befreiung der Frauen durch Erwerbsarbeit, wie sie in sozialistischen Staaten vorherrschte, und der Doppel-und Mehrfachbelastung durch Erwerbs-, Haushalts-und Familienarbeit, der Frauen ausgesetzt waren, dis-Siehe die Bände: Kemlein, Sophia (Hg.): Geschlecht und Nationalismus in Mittel-und
doi:10.18447/boz-2005-1246 fatcat:hkm6opep55aixeirdqicywepyq