Staatsinsolvenzen: Gläubiger oder neutrale Instanz – wer soll das schlingernde Schiff steuern?

Christoph G. Paulus
2012 Journal for Comparative Government and European Policy  
Während rechtlich normierte Verfahren zum Umgang mit Unternehmensinsolvenzen seit geraumer Zeit fester Bestandteil der meisten Rechtsordnungen sind, finden sich bislang kaum entsprechende Regeln zum Umgang mit Staatsinsolvenzen. Diese von den Rechtsund Staatswissenschaften weitgehend vernachlässigte Problemstellung gewinnt angesichts der Entwicklung im Rahmen der Europäischen Währungsunion an Bedeutung und stellt Wissenschaft wie Praxis vor die Herausforderung, tragfähige Mechanismen zu
more » ... hanismen zu entwerfen. Dieser Herausforderung sucht der vorliegende Beitrag durch die Skizzierung einer auf den Modellen privatrechtlicher Insolvenzverfahren beruhenden Verfahrensordnung zu entsprechen, deren zentrales Element in der Schaffung sog. Sovereign Debt Tribunals besteht, die als unabhängige Instanzen mit dem Ziel der Sanierung, d.h. der Resolvenz, zwischen Schuldnern und Gläubigern vermitteln soll. While frameworks dealing with the question of corporate insolvency have been part of most national legal systems for a considerable period of time, similar rules governing the process of sovereign insolvency have remained scarce. This problem, largely ignored by the legal discipline, is gaining in importance as the European sovereign debt crisis progresses. Both academia and politics are called upon to design sustainable mechanisms for dealing with cases of sovereign default. This contribution outlines such a procedure, based on the example of corporate insolvency law. Its central element is the creation of so-called Sovereign Debt Tribunals, independent bodies whose task is to mediate between creditors and debtors, aiming at restoring solvency.
doi:10.5771/1610-7780-2012-1-30 fatcat:tyljf4d3t5ejffbslmlnbghhre