Einführung [chapter]

Der Arbeitskraftunternehmer und seine Bildung  
Einführung Wissen -auch wissenschaftliches Wissen -ist immer situiertes Wissen: Dieser Auffassung der US-amerikanischen Wissenschaftstheoretikerirr Donna Haraway (1995, 73ff.) stimme ich uneingeschränkt zu. Die Position eines sich neutral gerierenden Blicks, der für sich in Anspruch nimmt, nicht aus einer situierten Position heraus Wissen zu produzieren, ist für sie ein "göttlicher Trick" (ebd., 82)-für den Menschen, auch den Wissenschaftler, eine Position, die er nicht einzunehmen vermag. Auch
more » ... nehmen vermag. Auch die Systemtheorie verneint die Möglichkeit eines neutralen Ausgangspunkts von Erkenntnis. Ihr zufolge liegen jeder Beobachtung eines Sachverhalts bestimmte theoretische Vorentscheidungen zugrunde. "Beobachten" heißt für die Systemtheorie: "Unterscheiden und Bezeichnen." (Luhmann 1997, 69) Etwas als etwas, und nicht als etwas anderes, zu beobachten, setzt demnach voraus, dass ich es von etwas anderem unterscheide. Erst auf Basis einer solchen Beobachtung kann eine Beschreibung des beobachteten (unterschiedenen und bezeichneten) Sachverhalts angefertigt werden. Dieser Punkt wird besonders dann virulent, wenn die Beobachtung mit Begriffen operiert, die selbst bereits auf die verschiedenste Weise beschrieben worden sind. Der systemtheoretisch argumentierende Soziologe Dirk Baecker (2002, 203) geht deshalb davon aus, dass "Begriffe der Tradition" wie etwa "Arbeit", "Kultur" oder eben "Subjekt" durch eine "Überdetermination" gekennzeichnet sind: Es ist nicht der Mangel an Beobachtungs-und Beschreibungsweisen, der es schwierig macht zu erkennen, was mit dem Begriff "Subjekt" bezeichnet wird, es ist deren Überfluss. Jede einzelne Beschreibung mag überzeugen, dennoch erzeugt jede Beobachtung ihre eigenen "blinden Flecken"; jede Position des Beobachters macht manches sichtbar und lässt manches im Dunkeln (vgl. Luhmann 1997. Es gilt daher, die Beobachtung mittels solchermaßen überdeterminierter Begriffe zu beobachten-also die Position eines Beobachters "zweiter Ordnung" (ebd., 93) einzunehmen -, um diese "blinden Flecken" zu erkennen. Wenn ich also im Folgenden die sozialwissenschaftliche Debatte um die neue Rolle, die dem Subjekt in der Erwerbsarbeit zugeschrieben wird, beobachte, dann geht es erstens darum, diese neue
doi:10.14361/9783839407912-001 fatcat:shtufl6l4zdytjmk6kdhjzzvm4