Auf dem Prüfstand: Verteilung über Arbeit und Menschenwürde [article]

Matthias Möhring-Hesse, Universitaet Tuebingen
2020
Wie kaum ein anderes Begriffspaar bringt "Arbeit" und "Menschen würde" den modernen Sozialkatholizismus programmatisch auf den Punkt. Zwar ist auch im katholischen Denken Arbeit zunächst einmal heilige Pflicht -und Müßiggang "aller Laster Anfang". Doch bei der Pflicht zur Arbeit bleibt das sozialkatholische Herz eher ruhig -und schlägt immer dann heftig aus, wenn es um mehr, nämlich um Arbeit und Menschenwürde geht. Mit den konjunkturellen Bewegungen be wegt man sich dabei zwischen zwei
more » ... ischen zwei programmatischen Polen: Ener gisch wird Arbeitslosigkeit als Angriff auf die Würde erwerbsloser Menschen skandaliert und das "Recht auf Arbeit" eingefordert. Sobald die Realität auf den Arbeitsmärkten dieser Forderung nahekommt, weiß man unverzüglich "nachzubuttern": Im Namen der Menschenwürde en gagiert man sich für Mitbestimmung und Vermögensbeteiligung der Beschäftigten, aber auch für eine menschenwürdige Gestaltung der Ar beitsbedingungen. "Arbeit" und "Menschenwürde" sind jedoch nicht nur sozialkatholische Programmwörter, sondern auch prominente Prinzipien der bundesdeut schen Reichtumsverteilung. Wie und mit welchen Anteilen der verfüg bare Reichtum gesellschaftlich auf geteilt wird, wird nämlich maßgeb lich über Erwerbsarbeit und nach Maßgabe der Menschenwürde gere gelt. Die übergroße Mehrheit der Bevölkerung muß sich daher ihren Lebensunterhalt durch ein "geregeltes Einkommen" aus "geregelter Ar beit" sichern, wenn sie nicht ersatzweise oder ergänzend durch sozial staatliche Zuwendungen auf das Existenzminimum menschenwürdigen Lebens gehoben werden. Zwar wurde um die genauen Anteile am ge sellschaftlichen Reichtum politisch immer wieder und z.T. auch heftig
doi:10.15496/publikation-49202 fatcat:w7mcdpjzdvbifi7o5trijelsd4