»Not Your Granny's Craft«? Neue Maschen, alte Muster – Ästhetiken und Politiken von Nadelarbeit zwischen Neokonservatismus, »New Craftivism« und Kunst [chapter]

Verena Kuni
Grenzgänge zwischen den Künsten  
Strickende Feministinnen, häkelnde Aktivistinnen und Aktivisten, subversive Sticker/-innen: gibt es nicht -könnte man meinen. Schließlich gelten Handarbeiten wie Sticken, Häkeln und Stricken traditionell als Tätigkeiten, mit denen sich brave Mädchen und gute Hausfrauen zu beschäftigen haben. Auch das Feld der bildenden Kunst blieb lange Zeit von einer entsprechenden Perspektive dominiert, und zwar nicht allein dort, wo es Handarbeitende darzustellen galt: Die von der Renaissance an zunehmend
more » ... nce an zunehmend etablierte Assoziation textiler Techniken und Materialien mit Stereotypen von »Weiblichkeit« und die damit verknüpfte Abwertung seitens der Kunsttheorie haben der Kunstgeschichte noch bis in die Moderne und die Gegenwart hinein ihren Stempel aufgeprägt. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts scheint sich jedoch ein Wandel abzuzeichnen: Im Zuge eines regelrechten Do-it-yourself-Fiebers boomen nunmehr auch Nadelarbeiten aller Art -und haben dabei sowohl in der Alltagskultur wie in der Kunst deutlich an Sex-Appeal gewonnen. Allenthalben winkt Handgestricktes, -gehäkeltes und -besticktes aus den Schaufenstern schicker kleiner Läden; Prominente wie Madonna, Kate Moss oder Russell Crowe lassen sich mit Strickzeug ablichten. In den Medien ist die Wiederentdeckung der Handarbeitskultur ebenfalls kaum zu übersehen; und insbesondere das World Wide Web wird nicht nur weidlich als Präsentationsfl äche und für den Vertrieb von Selbstgemachtem, sondern allem voran für den Austausch unter den
doi:10.14361/9783839409671-010 fatcat:dncx5jtvirctpoop5arscghomy