Ein karolingischer Töpferofen bei Wildenrath, Kreis Heinsberg

Franz Rademacher
2018
Etwa 20 Minuten von dem Orte Wildenrath, an der Birgeluer Bahn, einem von Arsbeck nach Birgeln führenden breiten Waldweg, zeigt sich eine von Scherben durchsetzte, etwas erhöhte Stelle, die von einem karolingischen Töpfer, ofen herrührt. Ein kleiner Bachlauf, der Rompenbach, der das notwendige Wasser für den Töpfer betrieb zu liefern hatte, kreuzt an dieser Stelle den Weg. In der Südwestecke, ungefähr 10 m vom Bache entfernt, liegt der Scherbenhügel, der sich an eine nach dem Weg zu abfallende
more » ... Weg zu abfallende leichte Erhöhung anlehnt, so dass er nur wenig hervortritt. Mehrfach war die mit Bäumen und Strauchwerk bewachsene Stelle bereits durchwühlt, ehe der Verfasser im Jahre 1921 hierauf aufmerksam gemacht wurde1) und im Sommer des nächsten Jahres eine provisorische Untersuchung vornahm. Im letzten Jahre ist dann wiederum in wüstester Weise dort gegraben worden, so dass die Scherben heute in Massen zu Tage liegen. Einige Beobachtungen konnten so ergänzt werden, doch kann es sich hier gleichwohl nur um einen vorläufigen Bericht handeln, der eine genaue Untersuchung keineswegs überflüssig macht, Die von Scherben ziemlich dicht durchsetzte Schicht, die eine Fläche von schätzungsweise 80 bis 100 qm bedeckt, konnte in einer Stärke bis zu 70 cm festgestellt werden. Gegen den gewachsenen Boden ist sie, soweit die Ein schnitte reichten, durch eine deutlich sich abhebende, rot gebrannte Lehmschicht von ca. 10 cm Dicke abgesetzt, in der stellenweise zerstampfte Kieselsteine eingeschlossen waren. Nach dem Rande zu neigt sich diese Schicht, entsprechend dem leichten Abhang des Hügels. Zahlreiche schwach gebrannte Lehmstücke mit Abdrücken von Reisig stammen von den ehemaligen Hüttenaufbauten. Reste vom Ofen konnten dagegen bisher nicht festgestellt werden. Dass jedoch ein Töpferofen hierin im Betrieb war, beweist, abgesehen von den Tausenden von Scherben, der Umstand, dass so gut wie alle rekonstruierbaren Erzeugnisse sich deutlich als Fehlbrände zu erkennen geben (vgl. Abb. I). Zudem lässt sich noch'/jetzt, feststellen, dass jenseits der Birgeluer Bahn zu beiden Seiten 1) Direktorialassistent Prof. Dr. Oelmarm besichtigte damals auf Veranlassung des Verfassers neben anderen Anlagen auch den Scherbenhügel. Siehe Bericht über die Tätigkeit des Provinzialmuseums zu Bonn. Bonn 1922. S. 22.
doi:10.11588/bjb.1927.0.47655 fatcat:6724bljmu5gvzd25xcn72huagi