Und anderswo …?

Antoine De Torrenté
unpublished
Hypertoniebehandlung: Medika-mente in sehr geringer Dosierung? Fragestellung Arterielle Hypertonie ist eine der Hauptmor-biditäts-und-mortalitätsursachen weltweit. Die meisten Patienten erreichen trotz Be-handlung keine akzeptablen Blutdruckwerte. Dieser traurige Umstand resultiert aus einer suboptimalen Therapieadhärenz, mitunter komplizierten Guidelines und einer gewissen Zurückhaltung bei der Verschreibung. Häufig erhalten die Patienten lediglich eine Mono-therapie. Niedrig dosierte
more » ... g dosierte Kombinationsbe-handlungen haben vielversprechende Resul-tate gezeigt. Die Wirksamkeit einer Behand-lung mit vier in einem Medikament, aber in ¼ der empfohlenen Dosierung kombinierten Wirkstoffen, ist jedoch noch unbekannt. Diese zu testen, war das Ziel der nachfolgend zu-sammengefassten Studie. Methode Die Studie zur «Quad-Pille» war randomisiert, doppelblind und plazebokontrolliert. Die Pa-tienten wurden aus der australischen Bevöl-kerung rekrutiert. Einschlusskriterien: Alter ≥18 Jahre, in der Arztpraxis gemessener syst. BD >140 und diast. BD >90 mm Hg oder beides; zwei ambulante 24-Std.-Messungen mit einem styst. BD von >135 und einem diast. BD von >85 mm Hg oder beides. Zu den Ausschluss-kriterien zählten: die bekannte Unverträg-lichkeit eines der getesteten Medikamente, Schwangerschaft oder eine Lebenserwartung von <3 Monaten. Die Probanden wurden im Verhältnis von 1:1 randomisiert und erhielten entweder eine Kapsel mit 37,5 mg Irbesartan, 1,25 mg Amlodipin, 6,25 mg Hydrochlorothia-zid und 12,5 mg Atenolol oder ein Plazebo. Der Studienablauf war wie folgt: 4 Wochen Ve-rum-Behandlung, 2 Wochen Auswaschphase und anschliessend 4 Wochen Plazebogabe. Die Patienten, welche zu Studienbeginn Pla-zebo erhalten hatten, wurden anschliessend der Verum-Gruppe zugeordnet und umgekehrt («Cross-over-Design»). Primärer Endpunkt war die Reduktion des durchschnittlichen ambulanten 24-Std.-Blutdrucks. Sekundäre Endpunkte waren u.a. die Reduktion des in der Arztpraxis gemessenen syst. und diast. BD und BD. Resultate 18 (!) der 23 randomisierten Patienten mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren nahmen bis zum Studienende teil. Der in der Arztpraxis gemessene BD betrug 154/90 und der ambulant gemessene BD 140/87 mm Hg. Unter der Ve-rum-Behandlung war der ambulant gemessene durchschnittliche BD um 19 und der in der Arztpraxis gemessene BD um 22/13 mm Hg gesunken. Unter Plazebo hatten sich die Blut-druckwerte praktisch nicht verändert. 100% der Patienten unter Verum-Behandlung er-reichten den BD-Zielwert von 140/90. Die Be-handlung wurde gut vertragen. Alle Ergebnisse waren signifikant. Probleme und Kommentar Natürlich waren die Gruppen sehr klein und es fand kein Vergleich mit einer Kombination von 2 oder 3 Medikamenten statt. Die Idee der Studie bestand darin, mehrere für Hypertonie verantwortliche Mechanismen zu hemmen. Ferner ist die rasche blutdrucksenkende Wir-kung der «Quad-Pille» innerhalb weniger Tage bemerkenswert. Es ist einfacher, direkt 4 Medikamente in sehr geringer Dosierung zu verabreichen, als sich ständig durch die Erhö-hung der Dosis einer Monotherapie oder die schrittweise Hinzufügung weiterer Wirkstoffe an den Zielwert herantasten zu müssen. Diese möglicherweise unerwartet guten Resultate müssen natürlich über einen längeren Zeit-raum an mehr Patienten bestätigt werden. Vielleicht ist dies der Auftakt für einen Paradig-menwechsel in der Hypertoniebehandlung! Chow CK, et al. Lancet. 2017;389(10073):1035-42. Chronische Opioidanwendung Eine Stichprobe von 1,3 Millionen Erwachsenen, die zum ersten Mal Opioide erhalten hatten, wurde untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese weiterhin dauerhaft einnahmen, betrug ein Jahr später 6 und 3 Jahre später 3%. In 27 bzw. 14% der Fälle handelte es sich dabei um langwirksame Opioide und Tramadol (ein eher schwaches Opioid). Bereits eine Opioid-verschreibung von >1 Woche ist riskant! Shah A, et al. CDC, MMWR. 2017;66(10):265-9.
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