Urte Evert, Die Eisenbraut Symbolgeschichte der militärischen Waffe von 1700 bis 1945

Christian Müller
unpublished
Im Hinblick auf ihre Technik und ihren Einsatz im Gefecht sind Waffen schon lange wesentlicher Gegenstand der traditionellen "Kriegswissenschaften" sowie der heereskundlichen und militärgeschichtlichen Forschung. Ganz anders verhält es sich indes mit ihrer symbolischen Rolle. Abgesehen vom Schwert, das als christliches und als Herrschaftssymbol bereits näher analysiert wurde, gab es jenseits der stereotypen Charakterisierung als "Phallussymbol" keine wirklich fundierten Erkenntnisse über die
more » ... bolische Aufladung von Waffen. (14) Urte Evert setzt mit ihrer bei Ruth-E. Mohrmann an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entstandenen Dissertation an dieser Leerstelle an und legt die erste systematische Studie zur symbolischen Bedeutung der Waffe im deutschsprachigen Raum während der Neuzeit vor. Der Focus ihrer Arbeit liegt auf Schusswaffen im Zeitraum 1700 bis 1945. Erklärtes Ziel ist es, "darzustellen, welche symbolischen Funktionen der militärischen Waffe zugeordnet wurden, welche Einflussfaktoren für bestimmte Ausprägungen und Veränderungen sorgten, inwiefern die Symbolisierungen selbst zu Einflussfaktoren auf kultureller sowie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene wurden, und vor allem, welche Gründe es für die Menschen gab, diese Symbolisierungen vorzunehmen." (11) Die Hauptquellenbasis bilden etwa 500 meist deutschsprachige Soldatenlieder, die Waffensymbolisierungen enthalten und aus 67 Liedersammlungen ausgewählt wurden. Ergänzend wurden Bildquellen, militärisches Schriftgut sowie Selbstzeugnisse von Soldaten herangezogen. Der Focus auf die Soldatenlieder bietet dabei zwei wesentliche Vorteile. Zum einen vermag Everts ethnologisch angelegte Arbeit so praktisch direkt an die volkskundliche Soldaten-und Volksliedforschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts anzuknüpfen. Zum anderen sind Lieder als Quelle relativ homogen und nicht an epochenspezifische Technologien gebunden. So wird dann auch der epochenübergreifende Vergleich vereinfacht. Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. Nach der Einleitung erörtert die Autorin zunächst Begriff und Zweck der Waffe, um dann in Hinführung auf die folgenden vier Kapitel ihre symbolische Rolle an prägnanten Beispielen aus der Alltagssprache zu
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