Meyer L. Handbuch der griechischen Etymologie

Felix Solmsen
1906 Indogermanische Forschungen  
Meyer Handbuch der griechischen Etymologie. 23 ich mit dem Verf. nicht gleicher Meinung bin, da handelt es sich um Dinge, die nicht mit kurzen Bemerkungen zu erledigen sind, sondern den Inhalt künftiger Detailforschung bilden müssen. Hoffen wir, daß das treffliche Buch in diesem Sinn anregend wirke und gerade unter den Theologen das wissenschaftliche Studium der Bibelsprache fördere, da es in vorbildlicher Weise zeigt, auf welchen Bahnen die neutestamentliche Sprachforschung wandeln muß. Und
more » ... wandeln muß. Und zum Schluß sei uns gestattet, den Wunsch auszusprechen, daß der Verf. uns bald den zweiten Band des Werkes beschere, damit wir endlich für den alten Winer einen vollwertigen neuen Ersatz bekommen. [Korrektur-Zusatz. Wenn diese Besprechung erscheint, wird wahrscheinlich bereits die 2. Auflage des Buches vorliegen -ein Beweis sowohl für die Trefflichkeit desselben wie für das Interesse, dessen sich die neutestamentlichen Sprachstudien im englischen Sprachgebiet erfreuen. Der Text der neuen Auflage ist nur in Kleinigkeiten berichtigt; in einem besonderen Nachtrag macht M. einige Zusätze, in denen die neueste Literatur mit der dem Verf. eigenen Gewissenhaftigkeit verwertet worden ist.] Marburg. Albert Thumb. Meyer L. Handbuch der griechischen Etymologie. Leipzig Hirzel 1901/2. 4 Bde. 656, 859, 488, 608 S. gr. 8°. 60 M. Über Leo Meyers Handbuch der griechischen Etymologie hat sich alsbald nach seinem Erscheinen ein Konsensus aller Urteilsfähigen, Linguisten wie Philologen, herausgebildet. Es ist der Fleiß von zwei Jahrzehnten, der in dem Werke niedergelegt ist, und schon darum hat es Anspruch auf Achtung. Es ist bequem, daß jedem Worte Belegstellen aus der Literatur beigegeben sind, die -in nicht wenigen Fällen freilich nur bis zu einem gewissen Grade -seinen wirklichen Gebrauch zu übersehen in Stand setzen, und es ist dankenswert, daß der Verf. der genaueren Feststellung der Wortbedeutung besondere Sorgfalt gewidmet hat. Es verdient Lob, daß er nicht nur, wie in etymologischen Lexizis sehr vielfach geschieht, die wurzelhaften, sondern auch die stammbildenden Teile der Wörter berücksichtigt und durch reichliche Parallelen aufzuhellen sucht. Es begegnet auch hie und da ein wirklich förderlicher Gedanke über die Herkunft eines Ausdrucks. Aber all dieses Gute kann nicht über die zwei Grundgebrechen des Werkes, um von kleineren zu schweigen, hinwegtäuschen: es führt den ganzen, auch uns noch bekannten Reichtum des griechischen Wortschatzes nur unvollständig vor, weil es sich auf das in der Literatur belegte beschränkt und von vornherein ablehnt, die unendlichen Fundgruben der grammatisch-lexikographischen Überlieferung und der Inschriften systematisch auszubeuten, und es spiegelt in Gesamtanschauung und Beurteilung zahlloser Einzelheiten einen Stand der Sprachforschung wider, der seit beinahe einem Menschenalter als überwunden gelten darf; es ist als ob Männer wie J. Schmidt und de Saussure, Bezzenberger, Fröhde und Bechtel, Brugmann und Osthoff,Wackernagel,W. Schulze und Kretschmer für Leo Meyer überhaupt nicht geschrieben hätten. Es widerstrebt mir, die Versäumnisse, die sich dem einigermaßen Kundigen auf Schritt und Tritt aufdrängen, im einzelnen zu beleuchten, so sehr auch die Selbstanzeigen des Verf. in den GGA. 1901 und 1902 dazu herausfordern; ich will lieber die Gelegenheit benutzen und kurz entwickeln, was, wie ich meine, ein etymologisches Wörterbuch des Griechischen leisten und bringen muß, wenn anders es den Forderungen, die die Wissenschaft im gegenwärtigen Zeitpunkt zu stellen befugt ist, gerecht werden will.
doi:10.1515/if-1906-0114 fatcat:l3fdyn4p4rbddlrti7q7v6r2o4