Fortschritte in der Behandlung des Diabetes mellitus (Schluß aus No. 46.)

J. Strauss
1904 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in Frankfurt a. M. (Schluß aus No. 46.) Die von Grub e (27, 28) -nicht zur Verringerung der Glykosurie, sondern zwecks Hebung des Aligemeinbefinclens -empfohlene Kalkbehandlung des Diabetes wurde von Lenné (43) und Brüning (il) unwirksam gefunden und Maraczewski (67), dem die Verringerung der Glykosurie unter dem Gebrauche von Calcium phosphoricum in einem Falle auffiel, sah von der therapeutischen Verabreichung kleiner Dosen von Kalkphosphat in mehreren Fällen von Diabetes keine Wirkung.
more » ... falls nicht der Bekämpfung der diabetischen Glykosurien, vielmehr der Therapie des diabetischen Komas galt der Vorschlag von Leo Schwarz, die von ihm gefundene Tatsache der starken Herabsetzung der Acetonausscheidung durch die Darreichung von Kohlehydratsäuren (91) sich für die Behandlung des diabetischon Komas nutzbar zu machen (92). L. Mohr und A. Löb (65) führen auf Grund ihrer von den Schwarzschen Befunden abweichenden TJntersuchungsresultate aus der Klinik y. Noordens gegen die Schlußfolgerungen von Schwarz an, daß der Erfolg, den Schwarz in einem Falle bei zwei Attacken von Koma mit der Darreichung von neutralisierter Glukonsäure erzielte, vorzugsweise dem gleichzeitig gegebenen Alkali zuzuschreiben sei. Leo Schwarz (93) hat demgegenüber auf Grund erneuter Untersuchungen daran festgehalten, daß an einer offenbar in ihrer Kohiehydratwirkung begründeten spezifischen Wirkung der Glukonsäure auf die Acetonausscheidung nicht zu zweifeln sei. Ob man im einzelnen Fall sich für die Entzuckerung eines Diabetikers eines der hierfür an erster Stelle in Betracht kommenden Präparate (Opium, Salizylverbindungen, Jambul) -eventuell intermittierend, für mehrwöchige Kuren -bedienen will, oder ob man unter \Terzichtleistung auf jede medikamentöse Beihilfe es vorzieht, dasselbe Ziel lediglich durch diätetische Maßnahmen zu erzielen, kann nach Lage der Dinge dem individuellen Ermessen anheimgestellt werden. Nur wäre, sofern man ein Medikament heranziehen will, bei jedem einzelnen Kranken in geeigneter Versuchsanordnungam besten bei gleichbleibender Kost vor, während und nach der Medikation, allenfalls auch durch Vermehrung der Kohlehydratdosis während der Medikation -erst festzustellen, ob in dem speziellen Falle mit der Anwendung des Mittels für die Behandlung tatsächlich etwas gewonnen wird. Zu beachten wäre bei derartigen Untersuchungen, daß nach der Verabreichung einzelner Medikamente (Antipyrin, Beuzosol) Linksdrehung im Drin auftritt, welche die Rechtsdrehung des Traubenzuckers verdeckt, ferner, daß unter dem Einfluß einzelner, im Ham ausgeschiedener fäulniswidriger Mittel, namentlich der Benzolverbindungen, die Gärungsprobe negativ ausfallen kann.
doi:10.1055/s-0029-1187827 fatcat:6yoomjyr4rclbi4kjlea5xj3jq