Kohlendioxid: Zu viele unterschiedliche Preise für den Autofahrer

Ferdinand Dudenhöffer, Marcus Krüger, Tab
2008 unpublished
Die Klimapolitik für die Automobilbranche gibt viele Rätsel auf. Vielleicht kommt sie deshalb nicht aus den Schlagzei-len. Seit Anfang 2007 arbeitet die große Koalition an der Um-gestaltung der Kfz-Steuer in eine so genannte CO2-Steuer. Bis heute ist unklar, wie der konkrete Vorschlag aussieht. Da bei diesem Steuergeheimnis der besonderen Art das Auto mit hoher CO2-Emission höher besteuert werden soll als das CO2-sparende, wird die zukünftige Steuer implizit einen Preis für das Gramm
more » ... as Gramm eingesparte CO2 setzen. Sicher ist heute schon, dass ein Gramm CO2 mehrere Preise haben wird, je nachdem, ob es aus einem neuen oder einem alten Auto stammt. Dass man in Deutschland für das Treibhausgas CO2 ein gan-zes Arsenal unterschiedlicher Preise für den Autofahrer pa-rat hat, zeigt auch das Thema Biokraftstoff, präziser gesagt E10. Im April musste der deutsche Umweltminister seinen Vorschlag zur Erhöhung der Ethanol-Beimischung bei Ben-zin auf 10% (E10) begraben. Gestoppt wurde die Biokraft-stoffbeimischung wegen angeblicher Unverträglichkeiten von E10 bei älteren Autos. Das war aber eher der Rettungsan-ker für den Umweltminister. E10 stand wegen seiner ge-samten CO2-Bilanz unter massiver öffentlicher Kritik. Der Kern der Frage lautete auch hier: Was kostet eigentlich ein Gramm eingespartes CO2? Hätte die Umweltpolitik sich mit dieser Frage beschäftigt, wäre die E10-Blamage erspart ge-blieben. Unterstellt man, dass Ethanol völlig CO2-neutral pro-duziert werden kann, ergibt sich bei einer 10%igen Beimi-schung nach unseren Berechnungen ein Preis von 260 € pro eingesparte Tonne. Wird aber E10 etwa nur zu 50% CO2-neutral produziert, steigt der Preis auf 520 €. Die Frage nach dem Preis einer Tonne CO2 für den Autofahrer hat politi-sche Brisanz. An unserem CAR-Institut an der FH Gelsen-kirchen sind wir dieser Frage nachgegangen und haben äußerst kuriose Ergebnisse erhalten. Bei Autogas bezahlt der Staat 1 530 Euro pro eingesparte Tonne CO2 Die Beispiele lassen sich auf europäischer Ebene belie-big fortsetzen. So werden auf EU-Ebene zusätzlich na-tionale CO2-Steuern in die Umsetzung kommen. Einige Länder wie England, Frankreich oder Irland haben diese CO2-Steuern bereits eingeführt. In Deutschland wird nach Ankündigungen der Regierungskoalition die als CO2-Steu-er umgetaufte Kfz-Steuer im Jahr 2009 gelten. Die Prei-se für die Einsparung einer Tonne CO2 werden dann zu-sätzlich streuen. Das Preisgewirr wird einerseits un-durchsichtbar und auf der anderen Seite ökonomisch völ-lig abwegig. Beliebig werden Verordnungen erlassen, die implizite Preise für CO2-Einsparungen setzen, die unbe-kannt sind. Damit wird im großen Stil Volksvermögen ver-schwendet. Wir erkaufen uns CO2-Einsparungen nicht zu den besten Kosten, sondern zu willkürlichen Kosten, die niemand mehr kennt. Damit wird der Klimaschutz zu ei-ner großen gesamtwirtschaftlichen, europäischen Res-sourcenverschwendung.
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