Werner Rutz: Die Stadte Indonesiens. Stadte und andere nichtlandwirtschaftliche Siedlungen, ihre Entwicklung und gegenwartige Stellung in Verwaltung und Wirtschaft

Günther Dress
2020
Sieben Jahre arbeitete Rutz mit einer grbBeren Zahl von Studenten an dem vorliegenden groBformatigen Werk. GemaB seiner wissenschaftlichen Ausrichtung knupft Rutz an die funktionale Arbeitsrichtung alterer deutscher Wirtschaftsgeographen sowie an die landerkundlichen Arbeiten uber Indonesien von Herbert Lehmann und Karl Helbig an. Wie schon in seiner ersten Studie aus dem Jahr 1976 zur Verkehrserschlie-Bung der AuBeninseln legt Rutz wieder eine Gesamtdarsstellung des Archipels vor, die ihren
more » ... drucksvollen Niederschlag in sechs detaillierten thematischen Karten im MaBstab 1: 7 Mio findet. Aus den drei gegenwartigen Arbeitsrichtungen der Stadtgeographie beschrankt sich der Autor auf die genetische und die funktionale. Zu Recht ruft er ins BewuBtsein, daB in Indonesien der mehrstbckige Mietwohnhausbau noch so gut wie vollstandig fehlt; die physiognomische Betrachtungsweise kann ausgeblendet bleiben. Unter Heranziehung umfangreichen Schrifttums weist Rutz vier genetische Stadttypen aus. Die umfangreiche Auflistung von Stadten laBt ihn eine uneingeschrankt zeitliche Schichtung nach dem Grundungszeitalter vornehmen: Stadte des hinduistischen Zeitalters, der islamischen Reiche, der kolonialen Aufteilung und Durchdringung sowie der industriewirtschaftlichen ErschlieBung. In klassischer Lehmannscher Tradition beschreibt Rutz in flusstgem Stil den stadtebaulichen und kulturellen Habitus der Stadt im heutigen Indonesien. Eine eigene Stadtentwicklung hat die Kultur der autochthonen malaiischen Hauptbevblkerung nicht hervorgebracht. Als stadtische Strukturelemente haben sich bis heute durchgesetzt: 1) Die Anordnung von Herrschersitz, Kultstatten und Versammlungsplatz aus der friihen vorderindisch-hinduistischen Zeit. 2) Die geschlossene, zweigeschossige Bauweise der zugewanderten chinesischen Handler. 3) SchlieBlich die Hinterlassenschaft der Kolonialepoche. Der flachenmaBig groBte Teil der indonesischen Stadte wird bis heute von den "Kampungs" gepragt. Der Ubergang zwischen randstadtischen und dorflichen Kampungs ist flieBend. Da auch keine anderen Strukturelemente, etwa Stadtmauern, die auBere Grenze der Stadt anzeigen, fehlen in der Regel alle Kriterien, um die Stadte gegen die landliche Umgebung abzugrenzen. Die historische Entwicklung der Stadte in Indonesien wird an vielen Stellen im Buch aufgegriffen. Das eigentliche Anliegen der Arbeit bezieht sich jedoch auf die Stadte als Elemente eines Stadtesystems, eines Systems, das sich aus "Interrelationen" und "Interaktionen" konstituiert. Interrelationen umfassen die Lagebeziehungen sowie die Rangordnung der Stadte in der Siedlungsgesamtheit. Interaktionen sind erstens Wege im weitesten Sinne, zweitens Menschen-, Wa-
doi:10.11588/asien.1991.38.13533 fatcat:etu56opre5axviyleud4jwi4ly