Londoner Brief

J. P. zum Busch
1905 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Londoner Brief. Im British medical Journal (26. November 1904) findet sich folgende hübsche Geschichte: Ein alter Landarzt behandelt ein Kind an einer Magenverstimmung; die Eltern waren mit der Diagnose unzufrieden: sie hielten den Fall für eine tuberculöse Meningitis und konsultierten hinter dem Rücken des Hausarztes einen jungen Internisten in einer benachbarten Stadt. Das Gutachten dieses »Spezialisten' wurde dem Hausarzte in unverschlossenem Kuvert zugestellt und lautete, wie folgt: »Kernig
more » ... wie folgt: »Kernig positiv; leichte Embryokardie besonders in Azoulayscher Lage; Kryoskopie und Kochibazilloskopie der Quinckeschen Flüssigkeit würden eine Grundlage für die Begutachtung abgeben. Bei negativem Ausfall möge man an Eberth oder Talamon-Fraenkel denken. Sollte sich die erste dieser beiden Hypothesen bewahrheiten, so könnte ich, sobald ich von Ihnen höre, das Serum von Chantemesse bringen; anderenfalls könnte ich einen Spezialisten bringen, der die Quinckesche Punktion ausftthren kann' Auf diese Botschaft antwortete der Hausarzt: "Veni, vidi, vici. Veni: weder zu Velo, Auto oder Moto noch zu Schiff, sondern in einem Phaeton. Vidi: Weder Myosis noch Mydriasis, weder vasomotorische Röte noch Wunderlich -einfache Synocha. Vid? Naturam sequere. Abwartende Behandlung. Der Patient geht unter seiner Bettdecke ? dxnorov nodvlç (ohne einen Fuß zu rühren), wie der alte, aber mir noch immer liebe Sophokles sagt, der restitutio ad integrum entgegen. Erzbrüderlicher Dank dem Q uincke-Spezialisten.« Am selben Tage, als ich diese Geschichte gelesen hatte, konsultierte mich ein älterer Herr, dem die Diagnose Krebs sozusagen 508 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCIIENSCHRIFT. No. 13 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1188054 fatcat:qpeaupw6dbc35bsjcyw5iftvcy